Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Michael Divé – nu3

Michael Divé nu3Wer ist Michael Divé? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich habe Medienwirtschaft studiert und arbeite seit 15 Jahren im Bereich Medienmanagement und Kommunikation, in der Old Economy wie in der New Economy. Ich bin Teil der Geschäftsleitung von nu3, Europas Marktführer für intelligente Ernährung und leite dort die Unternehmenskommunikation und die globale Kommunikationsstrategie. Außerdem bin ich Journalist und Autor, betrachte daher die Branche also von beiden Seiten: Industrie und Medienseite.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich miste gerne zuhause aus. Ich werfe lieber Altes weg, als Neues zu kaufen. Zweiter Spleen: Ich denke in Headlines und Themen, habe oft ein fertiges Bild vor Augen. Das ist berufsbedingt. Viele Menschen denken in Formularen und Schablonen, das ist mir fremd.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

nu3 ist Europas führender Anbieter für intelligente Ernährung. Wir sind ein Informationsportal, inspirieren und forschen zu gesunder Ernährung und bieten passende Produkte im eigenen Shop. Dazu gehören Superfoods wie Matcha-Tee, Goji-Beeren oder Algen, aber auch Sportsupplemente und Diätprodukte. Besonderheit: Wir führen alle wichtigen Hersteller und entwickeln Produkte selbst unter der Eigenmarke nu3. Hier haben wir dank schlanker Prozesse echte Margenvorteile und vor allem ein klares Qualitätsversprechen! Als Unternehmen sind wir exzellent darin, mit effizienten Strukturen weltweite Wachstumsmärkte schnell zu erobern. Neue Produkte testen wir in einzelnen Regionen und machen im großen Stil nur, was erfolgreich ist. Und sehr gut können wir Kommunikation: Unsere Ernährungstypenstudie hat eine große Relevanz und medial eine Millionenreichweite erzielt. Da sind sogar Kollegen von Nestlé oder Unilever neidisch. Das macht nu3 zu einer Vertrauensmarke.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

In unserer Ernährungstypenstudie analysieren wir regelmäßig den Zusammenhang von Ernährung und Sozialverhalten. Das klingt zunächst nicht sonderlich spannend, wir brachten es aber auf die Formel: Veganer haben den besten Sex. Diese Zuspitzung ist kommunikativ das Erfolgsgeheimnis – so wunderbar einfach! Unser Learning: Manchmal muss man reduzieren, reduzieren, reduzieren bis man auf einem leeren Blatt die eine perfekte Message hat. Die sollte man dann konsequent über alle Kanäle spielen, Blogs, Webseite, soziale Netzwerke und PR. Das funktioniert dann auch in der Presse und interessiert die Zielgruppe.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Eine zentrale Herausforderung für unsere Gesellschaft wird sein, mobiles Leben und häufige Job- und Ortswechsel mit dem Wunsch nach Stabilität und Bindung zu vereinen. Facebooks Vorstoß zu Social Freezing ist da nur ein Aspekt, der aus sehr gutem Grund, kontrovers diskutiert wird und sicher nicht die eine Lösung ist. Eine gesellschaftliche Zukunftsfrage ist: Wie kriegen die Menschen morgen all das unter einen Hut, was sie sein und leisten müssen?

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Eine große Herausforderung der Netzwirtschaft wird die soziale und unternehmerische Teilhabe sein. Teilhabe bedeutet ganz konkret: Wenn Praktikanten eine Firma mit Leben füllen, aus der andere mit Millionen-Exits aussteigen, dann ist das ein Ungleichgewicht und schadet dem Ruf der Netzwirtschaft und all ihrer Unternehmen. Die Politik reagiert und – zack! – gibt es den Mindestlohn. Weitblickende Unternehmer tun gut daran, rechtzeitig mehr zu bieten, Humankapital zu binden und zu entwickeln. In den USA muss man das Humankapital längt bilanzieren, denn die Bilanz soll alles enthalten, was die Lage des Unternehmens erklärt. Dort ist man also viel weiter! Zudem wird sich der Fachkräftemangel ebenso ausweiten wie der Wunsch von Menschen, an etwas Großem mitzuarbeiten, einen Wert zu schaffen. Auch das ist unter Teilhabe zu verstehen. Daran müssen viele Unternehmen der Netzwirtschaft noch arbeiten. Die vielleicht größte Herausforderung aber wird sein, dass Unternehmen echte Lösungen für die Lebensfragen der Menschen bieten müssen. Das ist vielleicht das einfachste und zugleich schwierigste für Start-Ups. Welche echte Lösung bietest du für deine Kunden? Bei nu3 ist die Lösung: Intelligent Nutrition mit größter Produkt- und Beratungskompetenz.

Herausforderung für unseren Markt:

Onlinehändler haben die wunderbare Möglichkeit, schnell zu wachsen. Doch sind sie zu erfolgreich, werden die Produkte oder Dienstleistungen wohl bald von Amazon selbst angeboten. Sind sie zu langsam, brauchen sie schon eine gute Geschichte, Patente oder eine starke Marke, um bei Investoren zu punkten. Zwischen diesen beiden Leitplanken haben sich schon manche viele Beulen geholt, das ist die tägliche Herausforderung.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir sind eines der am stärksten wachsenden Unternehmen im Bereich intelligente Ernährung. Dabei müssen wir in unserer Struktur nach Innen einfach und klar bleiben. Das heißt: Hands-on-Mentalität und Tempo bewahren und zugleich Prozesse an die Größe anpassen. Nach Außen hin wächst die Komplexität – und das muss sie auch! Mit mehr Produkten, mehr Ländern und mehr Themen rund um intelligente Ernährung wird das Bild von nu3 vielschichtiger, differenzierter. Wir haben da einen klaren Kompass um diesen Spagat zu schaffen. Nach Außen komplex, nach Innen einfach.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich ärgere mich grundsätzlich nicht, erst recht nicht über irgendwas am oder im Internet. Das Internet hat auch nicht unsere Wirtschaft revolutioniert wie es immer heißt. So ein Quatsch. 95 Prozent der Netzwirtschafts-Unternehmen haben doch Geschäftsmodelle wie ein Obst-Lädchen vor 100 Jahren. Toll finde ich, wenn das Internet Bildung verdichtet und vermittelt, mit Kursen, Seminaren, E-Learning. Da stehen wir noch am Anfang, das ist für klassische Medienhäuser aber ein gigantisches Feld.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Da bin ich ziemlich wunschlos, lasse mich aber gern überzeugen, wenn mir ein Start-Up ein Problem bewusst macht – und gleich für mich löst!

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

simplizist.de. Da geht es um Produktivität, man lernt, sich selbst besser zu organisieren, da kann jeder noch etwas lernen. Auf meiner täglichen Click-List steht auch DWDL.de, ich mag die Schreibe des Kollegen Thomas Lückerath. Und aus Jobgründen das Portal „food-welt.de“ – ein Handelsmagazin rund um Ernährung und Lebensmittelwirtschaft

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Realität der Massenmedien“ von Niklas Luhmann. Das ist immer noch aktuell.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ich durfte vor Jahren mal einen Vortrag der Managementtrainerin und Soziologin Vera F. Birkenbihl erleben zum Thema „Einfluss der Medien“, das war enorm erkenntnisreich.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Immer noch: Das eigene Gehirn.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gerne mal einen Tag mit Götz Rehn zusammenarbeiten, dem Gründer von Alnatura. Ein beeindruckender Mann, von dem man fachlich und menschlich bestimmt eine Menge lernen kann.

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