Interview
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Interview mit Katharina Müller-Stromberg – kms: kommunikation mit system

Katharina Müller-Stromberg kms: kommunikation mit systemWer ist Katharina Müller-Stromberg? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

In meinem ersten Leben war ich Redakteurin und Moderatorin beim Hörfunk. Mir macht es aber mehr Spaß zu kommunizieren als zu berichten, deshalb habe ich vor 11 Jahren meine eigene Kommunikationsagentur kms: kommunikation mit system gegründet. Inzwischen berate ich zahlreiche mittelständische und große Unternehmen im In – und Ausland.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich esse den ganzen Tag Gummibärchen. Am liebsten die Weißen. Kein Wunder, ich komme ja auch aus Bonn (HARIBO).

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

kms: kommunikation mit system, ist eine PR- und Kommunikationsagentur in Bonn. Wir können klassisch, denken aber gerne vorher quer!

Unser Motto: Wir machen nicht mehr Kommunikation für unsere Kunden sondern bessere.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben für einen unserer großen Kunden aus dem Health-Care-Bereich (Gemeinschaftskrankenhaus Bonn), die neue Veranstaltungsreihe MediTalk ins Leben gerufen, deren Ziel es ist, den proaktiven Dialog zwischen Patienten und medizinischen Experten nachhaltig zu stärken.

Regelmäßig laden wir Experten aus den Bereichen Medizin, Ethik, Wirtschaft und Politik ein, um über aktuelle und auch brisante Themen aus dem Gesundheitssektor zu diskutieren. Diese Themen orientieren sich an dem Bedürfnis der Patienten, die mehr Offenheit und Struktur im Gesundheitswesen fordern.  Die Patienten haben dabei jederzeit die Möglichkeit, ihre Fragen und Beiträge an das Podium zu richten.

Die Grundidee ist, mit MediTalk ein offenes Forum zu etablieren, dass es interessierten Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, tiefe Einblicke in die Strukturen und Abläufe des medizinischen Alltags zu erhalten und den Spezialisten ihre Anregungen, Fragen und Kritikpunkte direkt mitzuteilen. Auf diese Weise entsteht ein Austausch, von dem beide Seiten profitieren, denn auch Ärzten und Vertretern der Institutionen ist es wichtig, weiter an ihren Standards und Qualitätsansprüchen zu arbeiten, ohne dabei den Patienten aus dem Fokus zu verlieren.

Wichtig war für uns als Kommunikationsagentur, dass unser Kunde, in dem Fall eine Klinik, offensiv mit kritischen Themen umgeht und sich nicht „bedeckt“ hält. Transparenz im Gesundheitswesen ist noch immer riskant und wird von vielen, gerade Ärzten und Klinikträgern, abgelehnt. Das ist aus unserer Sicht aber falsch. Unser Erfolg mit dem Gemeinschaftskrankenhaus Bonn zeigt, dass wir richtig liegen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunikationsagenturen sehen wir in der Digitalisierung mehr Vor-  als Nachteile. Die Digitalisierung der Arbeitswelt ermöglicht es Arbeitnehmern zu arbeiten wann und wo sie wollen. Diese Freiheit schafft eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und das ist eine große Chance insbesondere für Frauen. Für die Politik heißt es also, rechtliche Rahmenbedingungen in Unternehmen zu fordern und zu fördern, damit Frauen diese Chancen auch angeboten werden und sie sie wahrnehmen können. Wenn man sieht, dass zum Beispiel im Silicon Valley immer noch ein nur sehr geringer Anteil von Führungspostionen durch Frauen besetzt ist, ist das ein Zeichen dafür, dass die Digitalisierung zwar in aller Munde aber nicht in den Köpfen der (vermeintlich modernen) Unternehmer verankert ist.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die größte Herausforderung für die Digitalisierung ist, dass man trotz dauernder und technischer Erreichbarkeit auch mal „Nein“ sagen darf. Unternehmer müssen verstehen, dass auch die dauernde Erreichbarkeit ihre Grenzen haben muss um für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine gesunde Work-Life Balance zu schaffen. Gerade Gewerkschaften müssen lernen, dass die Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten ist. Eine Verweigerungshaltung ist also nicht zielführend. Vielmehr sollten Arbeitnehmervertreter stärker dafür sorgen, dass die Probleme, die sich aus der Digitalisierung ergeben, angepackt werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Die Flut von Informationskanälen (Z.B. Social Media) darf nicht dazu führen, dass Unternehmen nach dem Gießkannenprinzip Informationen veröffentlichen. Jetzt gilt es die Zielgruppen noch genauer zu analysieren und systematisch Kommunikationsstrategien zu entwickeln.

Herausforderung für unsere Firma:

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von kms: müssen inzwischen häufig Allrounder sein. Das heißt, sie müssen sich auf den Gebieten Analyse, Strategie, Organisation und Kreativität gleichermaßen gut auskennen. Die derzeitigen Studiengänge im Bereich Kommunikation sind nicht breit genug aufgestellt und müssten dringend angepasst werden.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Fangen wir mal mit dem Positiven an. Die Informationsbeschaffung 24/7 ist natürlich ein großer Gewinn. Was mich dabei allerdings wurmt ist, dass so viel Datenmüll durchs Netz schwirrt. Wer unkritisch Informationen aus dem Netz übernimmt, sieht ganz schnell alt aus. Man muss sich auf jeden Fall die Zeit für Check und Re-Check nehmen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.Nachtkritik.de Das ist eine spezielle Plattform für Theaterkritiken. Nirgendwo gibt es schneller feuilletonistisch gut aufbereitete Kritiken von Theaterstücken, die gestern Premiere hatten. Kein Mensch braucht mehr den Theaterkritiker einer Tageszeitung.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Nachdenklich gestimmt hat mich ein Artikel aus dem Süddeutsche Zeitung Magazin, mit dem Titel: „Wie ich mein Leben verpasse“.

Es geht darum, darüber nachzudenken, Dinge die einem wichtig sind jetzt zu tun und nicht auf später zu verschieben. Es geht auch um verpasste Chancen im Leben, das ist aber nicht das was mich an dem Artikel fasziniert. Mir spricht die Autorin aus der Seele, wenn sie sagt: Setze deine Ideen so oft im Hier und Jetzt um, wie es nur geht.

Wenn das aber gerade nicht geht, dann sollte man sich auf das besinnen, was man bisher schon geschafft hat.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„Jakob der Lügner“ von Jurek Becker. Weil es ein eigenwilliges und eindrucksvolles Bild vom Alltagsleben jüdischer Ghettobewohner zeigt. Und weil es Mut macht, auch die schlimmsten Dinge zu ertragen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Mein Deutschleistungskurs. Die damalige Fachlehrerin war so konservativ, fast eine Karikatur ihrer selbst. Wir haben uns gehasst, sodass ich immer genau die Bücher gelesen habe, von denen sie vehement abgeraten hatte. In dieser Zeit hab ich fürs Leben gelernt und die tollsten Bücher gelesen!

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Die Erfindung der SMS war für mich privat das Größte.  Kurz, prägnant und schnell. Für meinen Job nutze ich das IPhone….ich habe immer das neueste Modell – das war für meine work-life-balance ein Quantensprung, da ich von überall auf der Welt arbeiten kann und meine Kunden nicht mehr warten müssen.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Tagsüber kochen mit Tim Mälzer. Seine Kreativität in der Küche und sein perfektes Time-Management finde ich bewundernswert! Essen würde ich dann abends aber lieber mit Barack Obama. Ihn würde ich gern fragen, ob er sich auf seine Zeit nach der Präsidentschaft freut und was er dann als erstes machen wird.

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