Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Holger Schellkopf – Mittelbayerische Zeitung

Holger Schellkopf Mittelbayerische ZeitungWer ist Holger Schellkopf? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg. Vorher  in unterschiedlichen Rollen und Bereichen von Lokalredaktionen über Sport bis zum CvD aktiv. Aufgewachsen mit Print, digital gewandelt – mit allen erfreulichen Nebenwirkungen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Oh, das ist ein weites Feld. Es gibt Menschen, die eine durchaus vorhandene Affinität zu Rennrädern als Spleen bezeichnen würden. Ähnliches gilt für die Großversammlung an Apps auf dem iPhone.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Als regionales Medienhaus versuchen wir, die Menschen in der Region auf allen Plattformen bestmöglich zu informieren, Orientierung zu geben, mit ihnen zu kommunizieren, sie auch zu unterhalten. Wenn man das große Wort denn benutzen will, dann liegt die Superpower vielleicht am ehesten in unserer Anstrengung, immer alles noch ein wenig besser zu machen. Manchmal haben wir damit Erfolg, manchmal nicht. Aber wir versuchen es immer wieder aufs Neue.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Die Konsequenz und Intelligenz, mit der NowThis den Ansatz der Marke als ContentCompany gerade in den Social Networks umsetzt, finde ich sehr faszinierend. Die eigene Website ist nur eine Verbindung zu den Social-Media-Kanälen, die Geschichten werden direkt in den Plattformen erzählt, den jeweiligen Anforderung entsprechend aufbereitet. Das Ganze konsequent auf Mobilgeräte ausgerichtet, erzählt via Bewegtbild.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Digitalisierung sollte endlich viel mehr als Chance und nicht als Gefahr betrachtet werden. Erst dann wird aktive Gestaltung und echte Kompetenzentwicklung wirklich möglich sein. Für Staat und Gesellschaft gleichermaßen wird das von wesentlicher Bedeutung sein. Gerade mit Blick auf den Umgang mit persönlichen Daten ist ein grundlegendes Umdenken notwendig. Tatsächlicher Datenschutz ist nicht mehr als eine Illusion. Entscheidend ist vielmehr die Transparenz im Umgang mit den Daten. Wer macht was mit den Informationen, die ich ihm gegeben habe? Das gilt im übrigen nicht nur für datenverarbeitende Unternehmen, sondern auch und gerade für staatliche Stellen. Nicht zuletzt müssen die deutschen und europäischen Behörden endlich damit aufhören, den Menschen vorzuschreiben, ob und welche Daten sie zur Verfügung stellen wollen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Leider herrscht gerade bei Entscheidern in Politik und Wirtschaft häufig noch immer geradezu verstörende Ahnungslosigkeit vor, was die digitale Disruption in allen Lebensbereichen längst erledigt, überflüssig gemacht oder grundlegend verändert hat. Statt auf Innovation zu setzen, sich zu entwickeln, tatsächlich neue Modelle zu entwickeln, wird viel zu häufig immer noch versucht, sich am Bestehende festzuklammern, sollen die alten Methoden funktionieren. In der Folge sitzen wir zumeist nur auf den Zuschauerplätzen, wenn Neues entsteht.

Herausforderung für unseren Markt:

Sich neu zu erfinden, ohne die eigene Identität zu verlieren. Sich von vermeintlich Bewährten zu trennen, um Raum für zukunftsfähige Innovation zu schaffen. Sich endlich von Berührungsängsten zu lösen und die Chancen nutzen, die Technologieriesen wie Apple, Google oder Facebook für uns bereit halten.

Herausforderung für unsere Firma:

Was für den Markt gilt, das gilt natürlich auch für uns als Firma. Wichtig wird außerdem sein, die Menschen zu finden und/oder zu halten, mit denen wir auch wirklich immer besser werden können.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgert am und im Internet das, was mich in allen Lebensbereichen ärgert – dto funktioniert das mit dem Freuen. Was mich wirklich nervt: es wird immer noch so getan, als wäre das Internet irgendein Paralleluniversum, als würden auf den Social Media Plattformen irgendwelche virtuellen Roboter ihre Ansichten verbreiten. In Wahrheit ist das Netz längst ein völlig selbstverständlicher Bestandteil des Lebens für die allermeisten Menschen – selbst wenn es der eine oder andere gar nicht merkt. Kurz gesagt: Hier ist das Volk (mit all seinen guten und schlechten Seiten).

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.niemanlab.org. Wer auf der Suche nach neuen Entwicklungen im Journalismus ist, der ist hier verdammt gut aufgehoben.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

Auch hier fällt die Auswahl schwer. Nachdem wir uns aber alle damit beschäftigen, wohin der Weg geht:

OUTLOOK ’16 /// Essential trends for 2016. – eine ziemlich umfassende und weiter wachsende Sammlung von wichtigen Trend-Reports aus Medien, Technologie und Gesellschaft.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

David Carrs Autobiografie „The Night Of The Gun“ – ist zwar schon etwas älter, mir ist das Buch des 2015 verstorbenen NYT-Reporters aber erst jetzt begegnet. Mitreißende Geschichte!

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Für mich die CRUSA15, veranstaltet vom MediumMagazin. Sehr spannende Besuche bei unterschiedlichen Playern wie NYT, Chartbeat oder NowThis ergeben – dazu viele Gespräche mit schlauen Kollegen; eine ziemlich gute Kombination, wenn man Entwicklungen besser verstehen will.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ohne wenn und aber das iPhone; Multifunktionswerkzeug für Kommunikation, Information, Berichterstattung

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Glücklicherweise habe ich mit einer ganzen Menge an Leuten zu tun, von denen ich ständig etwas lernen kann.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.