Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Florian Freiherr von Hornstein – Serviceplan Gruppe

 Florian Freiherr von Hornstein Serviceplan GruppeWer ist eigentlich Florian Freiherr von Hornstein? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin ein echtes Münchner Kindl, verheiratet und Vater von 3 Töchtern und einer der Bayern, die ihr ganzes Leben in dieser Stadt verbracht haben. Der Zufall wollte es so. Aufgewachsen am Starnberger See und dann mit Studienplatz in München –BWL- gab es keinen Grund, die Welt zu erobern. Nebenbei habe ich noch eine Ausbildung zum Bankkaufmann –HypoVereinsbank- gemacht und in der weiten Welt der Werbung bin ich nur deshalb gelandet, weil ich jemanden kannte, der da sichtlich Spaß hatte…. Die damals kleine Werbeagentur Serviceplan kannte kaum Hierarchien und hatte ein schlüssiges Konzept, unabhängig zu bleiben und Ihre Partner zu beteiligen.

Meine Karriere ist dann schnell beschrieben, denn in der Kommunikationswelt ist man zunächst Kontakter/Berater, dann Etatdirektor, dann Geschäftsleiter/Supervisor und zuletzt Geschäftsführer. Bei mir dauerte das etwa 5 Jahre. Zwei relevante Abwerbeversuche haben die Inhaber der Serviceplan Gruppe erfolgreich verhindert und so gibt es in meiner Karriere ungewöhnlicher Weise nur einen einzigen Arbeitgeber. Aber innerhalb des Unternehmens habe ich von der klassischer Werbung mit allen Facetten  bis Geschäftsführer der Media Agenturen oder von Spezialbereichen wie Event und Digital die unterschiedlichsten Verantwortungen inne gehabt.

Heute bin ich Partner und Geschäftsführer der Holding der Serviceplan Gruppe und verantworte mit 4 GF-Kollegen in unserer Obergesellschaft die Entwicklung der Gruppe und die Tätigkeiten von über 50 Firmen in vielen Ländern bei gesamt 2800 Mitarbeitern und großartigen Kunden für die wir arbeiten dürfen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich komme mit dem Fahrrad ins Büro, leihe mir Autos, wenn ich mal eines brauche und habe viele Jahre Sportarten gesammelt. Ich wollte also möglichst viele verschiedene Dinge zumindest so gut können, dass ich auf einfachem Level gut mitmachen kann. Da habe ich es auf eine wirklich relevante Zahl Sommer- und Wintersportarten gebracht, nur meine Ausdauer lässt so langsam zu wünschen übrig.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Diese Punkte machen den Unterschied:

Integration: Wir sind eine Kommunikationsgruppe, die alle Facetten der Werbung aus einer Hand schlau integriert anbietet. Aber nicht. weil wir, wie viele unserer Wettbewerber, alles Mögliche unter einem Dach unstrukturiert angesammelt haben, sondern weil wir eine Vielzahl an Spezialisten in unterschiedlichen Spezialunternehmen haben, die es mit anderen Spezialisten aufnehmen können. Und die koordinieren wir so intelligent und spezifisch, wie es jeder Kunde braucht. Egal ob dieser größer oder kleiner ist.

Kreativität und Kultur: Wir sind letztes Jahr in Las Vegas als independent agency of the year 2014 vom London international Festival ausgezeichnet worden. Mehr geht eigentlich nicht… Hinzu kommt unsere besondere Kultur, mit der wir uns sicherlich auch unterscheiden. Von den Kollegen, die hier arbeiten, bis dass wir statt Empfang lieber gleich eine Bar/Cafeteria anbieten, in der man uns erleben kann oder das wir für uns ein eigenes Carsharing oder Reisebüro haben uvm.

Innovation und Internationalität: Wir sind innovativ sicherlich die Nummer eins in Deutschland, wenn nicht in Europa und die einzige unabhängige deutsche Agentur, die Ihre Kunden mit 26 eigenen Niederlassungen heute tatsächlich international betreuen kann.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben viele tolle Beispiele für gute Kommunikation, letztlich geht es aber immer darum, ob unser Kunde mit seinem Produkt am Markt besser als der Wettbewerb agiert und der Abverkaufserfolg ist letztlich meist die Messlatte.

Ich möchte eine andere Art Beispiel beschreiben, was Erfolgreiches Tun ausmacht: Fast alle versuchen, sich zu verkaufen,  indem sie erzählen was sie schon Großartiges geleistet haben. Viel besser ist es aber, sich selbst zurückzunehmen, zuzuhören und ein gutes Gefühl für seinem Gesprächspartner herzustellen. Das gelingt am Besten, indem man seine Gesprächspartner reden lässt, selbst lernt und daraus dann die richtige Strategie entwickelt. Zum Beispiel hatte ich kürzlich ein erstes Kennenlerngespräch mit einem späteren Kunden  und da stellte sich beim Smalltalk morgens vor dem Meeting an unserer Bar heraus, dass der mögliche Kunde erst noch eine Zigarette rauchen wollte.

Da wir nach wie vor einen gemütlichen Bereich in unserer Cafeteria haben, in dem man rauchen kann (ja, das Gewerbeaufsichtsamt hat das geprüft und es geht…), haben wir uns dort hingesetzt. Und dort sind wir den gesamten Vormittag geblieben. Gefühlte 10 Zigaretten, einige Espresso und 2.5 h später (ich rauche übrigens nicht), war er sich sicher, zu uns öfters kommen zu wollen und hat uns spontan den Etat übertragen. Es ist eben ein People Business und immer mehr als nur der eigentliche Job, den man machen muss und das darf man nie vergessen.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Die Frage gerade uns zu stellen, amüsiert mich natürlich. Denn eine unseren Marken neben Serviceplan und Mediaplus ist Plan.Net und die sind die größte Digitalagentur Deutschlands mit über 800 digitalen Spezialisten in allen relevanten Bereichen. Von Campaigning, Mobile, Content über Social, Media, Performance, Dialog bis hin zu e-commerce. Wir sind nicht nur umsatzmässig die digitale Nummer Eins unter den Agenturen, sondern auch kreativ mit fast doppelt so vielen Kreativpunkten wie die Agenturm, die den zweiten Platz belegt. Eigentlich gibt es heute keine Kommunikationsmaßnahme mehr ohne große digitale Aktivitäten und  da sind wir richtig gut. Auch mit vielen Innovationen, aktuell z.B. mit einer ganz neuen Idee zum Newslettering, die wir sogar zum Patent angemeldet haben.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat

Schneller zu entscheiden, lieber mal einen Fehler rückgängig machen, als dauernd alles liegen zu lassen und zu hoffen dass es sich erledigt. Mutig sein, auch mal anderen was nachmachen wenn es gut ist und die Staatsquote reduzieren.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Mal über eine Legislaturperiode hinausdenken, auch wenn das einem persönlich nicht hilft. Serviceplan ist gut, weil unsere Entscheidungen nicht immer gleich 12 Monate später schon Rendite bringen müssen oder bestimmte Ergebnisse. Wer vorne sein will muss sich manchmal auch Zeit lassen können.  

Herausforderung für unseren Markt:

Dass immer noch zu viele über die Branche negativ reden und sich so selbst wichtig machen und natürlich dann auch noch von der Presse zitiert werden was angeblich die meisten Firmen noch nicht können oder was unserer Branche fehlt oder oder… Das hilft nicht, das schadet und verunsichert nur sinnlos. Dabei ist deutsche Werbung auch international gesehen wettbewerbsfähig und ausgezeichnet.

Herausforderung für unsere Firma:

Als unabhängiger Innovationsleader kann man auf Dauer nur vorne stehen, wenn es gelingt, die besten Leute zu finden und diese länger an die Firma zu binden.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Mich freut die Vielfalt, die Möglichkeit täglich neue Dinge kennen zu lernen  und die unglaubliche Vereinfachung des Lebens, die das Medium gebracht hat. Mich ärgert nichts, außer manchmal eine fehlende Verbindung…

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Alles was ich hier schreiben könnte gibt es vermutlich schon irgendwie und wo. Persönlich wüsste ich immer gerne den nächsten freien Parkplatz (nicht Parkhaus) und ich würde gerne weniger lange unterwegs sein auf Reisen. Aber das mit dem Beamen wird ja sicherlich noch dauern.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich habe mir auf Angeboten wie Flipboard oder News Republic alles zusammengestellt, so wie es mich interessiert. Das ist also nichts einzeln, sondern eine Kombination aus einer Vielzahl interessanter Informationen. Außerdem BILD, das holt einen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Mich begeistern textlastige Artikel weniger als Fotostrecken. Also zum Beispiel National Geographic oder View lese ich regelmäßig. Gute Bilder erzählen mehr als so mancher Text.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Ich lese wenig, aber ich höre extrem viel. Auf meinem iPhone sind immer einige Hörbücher und reichlich Bestseller, die ich noch hören möchte und immer wenn ich unterwegs bin und nicht telefoniere läuft ein gutes Buch. Gerade höre ich den Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg. Seine Lebenseinstellung „was kommt das kommt, aber es gibt immer eine Lösung die einen weiterbringt“ gefällt mir.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Am meisten gelernt habe ich vor einiger Zeit bei einem Seminar, auf dem erzählt wurde was im Körper und Gehirn passiert, wenn sich jemand den falschen Gedanken macht und wie viele automatisierte Vorgänge im Gehirn beim Gesprächspartner stattfinden, zu jedem Satz den man sagt. Wie schnell man für gute oder für schlechte Laune sorgen kann und zwar völlig unbeabsichtigt. Und wie schwer es ist von jemanden für eine Idee oder ein Konzept ein Ja zu bekommen, wenn der/die eigentlich keine Lust hat Ja zu sagen, weil das gerade nicht in die persönliche Stimmung passt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Sind bei mir die Alltagshelfer. Wie das automatische Fahrtenbuch, damit ich meine Mietautos von der Steuer absetzen kann oder die App die mir sagt ob das Flugzeug pünktlich landet wird und dem entsprechend pünktlich abfliegt oder ob ich noch 20 min arbeiten kann. Auch Dinge wie: ist die Straße frei, oder viel Verkehr, kommt die Bahn pünktlich oder sollte ich abends schneller nach Hause radeln weil es in den nächsten 5 min regnen wird.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich müsste mich entscheiden zwischen einerseits der großen Politik, also z.B. mit Angela Merkel verstehen, was sie dauernd daran hindert Geschwindigkeit aufzunehmen und andererseits einem großen Visionär, der auf den Mars möchte oder mit Elon Musk verstehen, wie ein Hyperloop funktionieren soll.