Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Constanze von Kettler -Team Code Zero

Constanze von Kettler Team Code ZeroWer ist Constanze von Kettler? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Berlinerin und Kielerin, Verlagskauffrau, Redakteurin und Politologin. Ich habe ewig die Media Relations bei einem börsennotierten Immobilienentwickler geleitet, in Agenturen und als Journalistin gearbeitet. Anfang 2013 habe ich mein Unternehmen
Team Code Zero gegründet.

Hier kann ich alles, wirklich alles, was ich je gemacht und gelernt habe, zum Einsatz bringen. Ich bin froh, ein tolles Team zu haben, das war mir immer sehr wichtig. Nicht zuletzt steht dafür ja auch der Agenturname.

Neben meinem Unternehmen ist mir auch gesellschaftliches Engagement wichtig, daher bin ich ehrenamtlich sehr aktiv, vom Segelsport bis zur Kirche.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Segeln. Aus dem Bereich stammt ja auch unser Firmenname. Der Code Zero ist ein asymmetrisch geschnittenes Vorsegel, das bei Leichtwind eingesetzt wird. Häufig ist das Boot damit schneller als der Wind. Für mich ist Segeln nicht nur Entspannung, weil auf dem Wasser völlig andere Dinge eine Rolle spielen als an Land. Man muss Wind, Wetter und Material optimal nutzen. Zudem ist der Umgang miteinander an Bord für mich eine große Lebensschule. Im Grunde kann man jede Teamarbeit auf Vorgänge an Bord übertragen. Weder im Sturm noch in der Flaute hilft es, Befindlichkeiten auszuleben – man muss gemeinsam da durch. Wichtig ist eben immer, dass man ein Team ist und gemeinsam ans Ziel kommt. Anders geht es nicht.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir sind immer hinter den guten Geschichten bei unseren Kunden her und tun dann alles dafür, dass die Welt sie erfährt. Vor allem: In meinem Team arbeiten nur Journalisten. Wir machen Themen von Journalisten für Journalisten. Mit geschultem Blick holen wir die beste Story aus den Briefings und Gesprächen mit unseren Kunden, daraus entwickeln wir Texte, die wir selbst gern in Zeitungen oder Magazinen lesen würden. So arbeiten wir unseren Journalisten-Kollegen in den verschiedenen Medien effektiv zu und bringen die Themen unserer Kunden in die Presse. Das funktioniert sehr gut, denn wir wollen keine Effektheischerei oder zu PR-lastige Artikel, sondern wir respektieren die journalistische Freiheit unseres Gegenübers. Allerdings vertreten wir auch nur Kunden, von deren Produkt oder Leistung wir überzeugt sind. Daher kommt dann natürlich auch noch das Herzblut dazu. Aufgrund unserer Vielfalt an Themen und Kunden wird uns nie langweilig – und das ist unser Erfolgsrezept.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Einer unserer treuesten Kunden ist die VivoSensMedical GmbH. Sie hat in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig den OvulaRing, einen Biosensor zur Bestimmung des fruchtbaren Fensters bei Frauen entwickelt. Wir haben geschrieben, telefoniert, nachgehakt, neue Themenansätze entwickelt – und das vier Monate lang fast ohne Erfolg. Um ehrlich zu sein: Wir hatten richtig Angst, dass der Kunde direkt wieder abspringt.

Was war da los? Gute Pressearbeit braucht ihre Zeit, man muss einfach immer dran bleiben und den Redakteuren genau zuhören. Beim Anschieben von Stories kommen manche Züge erst nach einer gefühlten Ewigkeit richtig ins Rollen. Häufig sind Themen mit den Redaktionsplänen nur langfristig vereinbar, oft muss man aber auch erst einmal das Vertrauen der Journalisten gewinnen.

Wir haben unser Ziel bei VivoSensMedical noch im ersten Jahr übertroffen, seither läuft das Thema super. Mindestens 30 Beiträge für diesen Kunden im Jahr schaffen wir regelmäßig, und es wird immer besser. Allein im Januar 2016 hatten wir schon 10 Platzierungen. Die „Best Practice“ war also: „Langer Atem bei konstant hoher Laufleistung“ – und daran erinnern wir uns nun immer wieder gegenseitig und nehmen uns dann an uns selbst ein Beispiel.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Printmedien werden totgesagt, seit ich Mitte der Neunziger meine Lehre zur Verlagskauffrau angefangen habe. Aber wenn man sich anschaut, wie viele Fachmagazine es zu den seltsamsten Themen gibt, mache ich mir um den Fortbestand von Printmedien – in welcher Form auch immer – eigentlich wenig Sorgen.

Ich habe jedoch manchmal Angst um den sogenannten Qualitätsjournalismus. Während es noch vor 20 Jahren weitgehend ein Privileg von gut ausgebildeten Journalisten war, über bestimmte Ereignisse oder Vorgänge zu berichten, kann heute jeder seine Sicht auf die Dinge kundtun und Nachrichten liefern. Über soziale Medien werden diese geteilt, eine Übersicht zu behalten, ist nahezu unmöglich. Jeder informiert sich über zig Kanäle, als Informations-Monopolist haben Zeitungen sicherlich ausgedient. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass es auch in 50 Jahren noch gedruckte Tageszeitungen und Magazine gibt, ich habe da Vertrauen in die Konsumenten wie in die Verlagshäuser. Zeitunglesen hat immerhin auch mit Entschleunigung und Reflektion zu tun. Auch wenn unsere Zeit sehr hektisch ist, werden die Menschen das Bedürfnis haben, sich eingehender mit Dingen zu beschäftigen oder sich vielleicht – wie es unsere Urgroßeltern schon getan haben – einfach hinter einer Zeitung zu verstecken, um nicht gestört zu werden.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Datenschutz. Wir haben sämtliche Unterlagen in der Cloud. Dass dort alles sicher ist, können wir nur hoffen. Wie sicher wir sind vor Diebstahl und Angriffen, das wissen wir nicht. Wir machen es trotzdem. Weil die Vorteile einfach überwiegen. Ein papierloses Büro und Arbeiten von überall wäre nicht möglich ohne diese Entwicklung. Aber gerade durch die Nutzung dieser neuen Möglichkeiten entsteht eine ganz neue, mitunter viel freundlichere Arbeitswelt. Keiner muss noch mal schnell ins Büro hetzen, um irgendwelche Unterlagen zu holen, sie sind einfach da. Auch wenn das mittlerweile ein alter Hut ist – mich fasziniert es immer wieder.

Herausforderung für unseren Markt:

Ich finde es trotz aller Digitalisierung erstaunlich, wie sehr die Leute Print-Artikel schätzen im Gegenteil zu ‚nur‘ online. Daher bin ich mir nicht sicher, wie viele der unzähligen Blogs, Seiten, Gruppen überleben oder ob sie mangels Lesern und damit schwindendem Enthusiasmus der Autoren wieder eingehen. Es gibt im Moment eine unüberschaubare Menge mit ebenso unüberschaubarem Inhalt von superinteressant bis superlaaaaaaaaangweilig. Wir konzentrieren uns vornehmlich auf Medien, die es auch zu kaufen gibt. Es ist sicherlich eine Herausforderung für PR-Agenturen, den Überblick zu behalten und z. B. relevante Blogs von irrelevanten zu unterscheiden.

Herausforderung für unsere Firma:

Die größte Herausforderung ist – wie bei den meisten kreativen Berufen – den Kunden klarzumachen, wie viel Arbeit, Zeit, Diskussionen, Recherche und Know-how in den Ergebnissen stecken. Und dass diese Arbeitszeit Teil unserer Preismodelle ist. Selbst wenn uns die Journalisten auf der Suche nach Themen mitunter schon von sich aus anrufen – neben dem Verfassen von Artikeln mit Relevanz muss dieses Netzwerk eben auch aktiv gepflegt werden.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Am Internet ärgert mich, dass man ständig versucht ist, es zu befragen. Stellt sich am Tisch eine Frage, wird erstmal mit dem Smartphone gegoogelt anstatt vielleicht selbst eine Antwort zu suchen oder herzuleiten. Die besten Parties bei Freunden enden am Rechner, weil erst was gegoogelt wird und dann irgendwelche witzigen Videos angeschaut werden müssen. Ich gehe dann immer weg und nutze die Gelegenheit, um mir neue Gesprächspartner zu suchen, im Idealfall wird irgendwo getanzt.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Pressesprecher.com – hier finde ich immer interessante Inhalte zu aktuellen Themen, die ich mich interessieren oder die mich interessieren sollten.

Edition F – gutes Online-Magazin für Frauen im Berufsleben.

Segelreporter – die besten Stories aus der Segelwelt. Kurz, prägnant und unterhaltsam aufbereitet.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

http://www.taz.de/!5015215/

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Joseph von Westphalen: Aus dem Leben eines Lohnschreibers

Witzig beobachtet und pointiert zu Papier gebracht.

John von Düffel: Wassererzählungen

Wahnsinnig schön erzählte Geschichten, in denen irgendwie immer mein Lieblingselement, das Wasser, vorkommt.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

VBKI-Vorträge und Content Marketing Tuesday – Beides sehr interessante Networking-Veranstaltungen mit ausgesuchten Referenten. Am meisten lernt und versteht man meiner Meinung nach jedoch beim Glas Wein hinterher. Hier ergeben sich Kontakte, hier kann man sich Eins zu Eins austauschen, was ich meist wertvoller finde als Frontal-Unterricht.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Microsoft Office. Google. Wir haben wirklich schon viel getestet, kommen aber immer wieder auf diese Basics zurück. Hier und da benutzen wir ein Screenshot- oder ein Bildbearbeitungsprogramm, aber im Grunde war’s das.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Steffen Seibert. Ich halte viel von ihm als Journalist, und ich glaube als Regierungssprecher hat er einen der schwersten Jobs der Republik. Dennoch wirkt er immer souverän und entspannt. Diesen Kollegen würde ich gern mal in stressigen Situationen und hinter den Kulissen erleben.

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