Interview
Die Forschungsassistenten

Interview mit Christian Hoffmeister – DCI Institute

Christian Hoffmeister DCI InstituteWer ist Christian Hoffmeister? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

DCI Institute heißt. Ich lebe und arbeite in Hamburg und beschäftige mich stark mit dem Themen der Konsequenzen der digitalen Technologie auf die Ökonomie.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Bei Filmen muss ich immer sofort googlen, wer das Drehbuch schrieb und was der Hintergrund der Geschichte ist und wie erfolgreich der Film war. Ist für alle, die Filme mit mir gemeinsam ansehen, anstrengend, weil mich oft der Background mehr interessiert als der Film selbst. Generell mach ich das leider ziemlich häufig, dass ich alles Mögliche sofort googlen und nach dem Background oder der Bedeutung von Begriffen oder Produkten suche.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

dci-institute.com) sammeln und schaffen Wissen zu den Themen des ökonomischen und gesellschaftlichen Wandels durch Digitalisierung. Dieses Wissen verpacken wir in Formate wie Studien, Bücher, Workshops, Seminare, Coaching- und Consulting-Methoden und vermitteln unser Wissen so in Unternehmen und Organisationen. Diese können dadurch innovative und wirtschaftlich erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle entwickeln und zugleich Innovations- und Change-Prozesse anstoßen. Das, was ich richtig gut kann, ist das technisch und ökonomisch Alltägliche unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten und so die Tür für einen anderen Denk- und Strategie-Ansatz zu öffnen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart?

Wir haben u.a. ein Medienhaus bei der Einführung eines standardisierten Entwicklungsprozesses für digitale Geschäftsmodelle beraten und begleitet. Dabei wurden durch die Einführung des Prozesses die technischen Entwicklungskosten für digitale Plattformen um 50 Prozent reduziert. Zudem konnte die Erfolgsquote bei der Einführung von neuen Plattformen und neuen Features auf bestehenden Plattformen verdreifacht werden. Das heißt, vorher wurden von 10 Features die neu eingeführt wurden, nur drei positiv von den Nutzern aufgenommen und genutzt, heute sind dies fast alle (also circa 9 von 10), da wir einen sehr konsequenten Konzeptions- und Testing-Zyklus implementiert haben.

Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Wenn ich an das Thema Consulting und Workshops denke, dann sicherlich das, wie es Osterwalder und Pigneur mit dem Business Model Generation Ansatz geschafft haben: ein umfassendes Plattform-, Produkt- und Marketingkonzept, welches weltweit funktioniert, zu etablieren. Dabei vermarkten diese eben nicht ein Medienformat wie z.B. ein Buch, sondern fahren einen 360 Grad-Ansatz und nutzen alle Medien und Plattformen, um ihr „immaterielles Produkt“ zu monetarisieren. Daran sieht man, dass es heute mehr denn je um die Schaffung einer ganzheitlichen Themen- und Markenwelt geht und nicht mehr um das Denken in einzelnen Kanälen oder technischen Medienformaten.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Ich trenne da gar nicht mehr so, denn Digitalisierung ist ja heute Grundlage von allem was wir tun. Wir selber Leben eher nach dem Prinzip des Outpacings. Das heißt wir nutzen Plattformen und Tools, die andere zur Verfügung stellen und können so qualitativ hochwertige Produkte entwickeln zu extrem günstigen Kosten wie es früher für uns gar nicht möglich gewesen wäre. Daher bin ich für die Digitalisierung / Internet sehr dankbar, weil ich heute etwas tun kann, was früher nur in ganz großen Unternehmen mit ganz viel Geld zu realisieren gewesen wäre. Hierbei denke ich an Erklärvideos, Studien-Tools für Umfragen oder Software für Anmeldungen und Einlasshandling bei unseren Veranstaltungen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Für den Staat ist es die Schaffung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die ökonomisches Handeln und ökonomisch sinnvolles Wachsen ermöglichen. Dazu gehört ein neues Wettbewerbsrecht und vor allem ein neues Recht zum Thema Schutzrechte in einer immateriellen Ökonomie, dies geht bei Konzepten los und reicht bis zur Frage nach der Patentfähigkeit von Software.

Gesellschaftlich stellt sich die Frage, wie Menschen mit den drei Themen Mystifizierung der Internetökonomie, Irrationalität der fortschreitenden digitalen Rationalisierung und dem persönlichen Informationoverload zurechtkommen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Zu wenig Gelder für die Forschung im Bereich der „Künstlichen Intelligenz“. Zu wenig Invest in die Erforschung grundlegender ökonomischer Theorien über den digitalen Wandel und dessen positiven sowie negativen Konsequenz.

Herausforderung für unseren Markt:

Wie bekommen wir belastbare Wissensvermittlung hin, um den wirklich tiefgreifenden Wandel zu kommunizieren. Heute wird immer noch viel zu schnell und zu oberflächlich agiert und damit keine Innovation gefördert und kein Wert geschaffen.

Herausforderung für unsere Firma:

Wie schaffen wir es unsere geistigen und immateriellen Leistungen schützen zu lassen und diese als die eigenen Werte und Leistungen am Markt als USP und MARKE zu platzieren, z.B. die Factiontelling Methode oder das DVC-Framework

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet kann mich nicht ärgern, nur die Menschen mit machen. Besonders ärgert mich, wie mit der zunehmenden Gewaltdarstellung in sozialen Medien umgegangen wird und diese von Medien auch aktiv für die eigene ökonomischen Ziele genutzt wird. Am meisten freut mich, dass ich heute einfacher und besser denn je, meine eigene Dinge wie Bücher und Studien realisieren kann, weil mir heute Technologien zur Verfügung stehen, die damals nur wenigen vorbehalten war.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Eine dynamische Weckzeit, abhängig vom Verkehr zum Flughafen (Bahnhof) und der Schlange beim Security-Check, vor Flügen. Ich bin immer zu früh oder zu spät dran. Nie passend 🙂

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

t3n und meedia

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://techcrunch.com/2014/02/25/the-age-of-acquisitions/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Die fraktale Geometrie der Natur“, denn dadurch ist mir ein Licht aufgegangen, warum es so schwer ist digitale Geschäftsmodelle zu definieren, analysieren und zu entwickeln, weil wir immer wieder dieselben Strukturen finden und diese beliebig komplex oder einfach sein können.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Robert McKee: Story, weil ich ab da verstanden habe, wie Story und Strategie zusammenhängen und warum Storytelling im Business-Bereich ziemlich kompliziert ist.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

unglaublich aber wahr: WORD und PPT

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich bin ein großer Fan von dem Cross-Industry-Prinzip und der Bionik im Bereich der Innovation, deswegen würde ich am liebsten einen Tag mit Christopher Nolan zusammenarbeiten und erfahren und verstehen, wie digitale Technologie die Erzählform in Filmen verändert hat. Ich schaue gerne wo anders hin, um mich für mein Business inspirieren zu lassen.