Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Birgit Brabeck – VOCATO public relations

Birgit Brabeck VOCATO public relationsWer ist Birgit Brabeck? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

PR-Frau bin ich seit nun mehr als 20 Jahren und 46 Jahre alt. Mit badischen Wurzeln hat es mich vor vielen Jahren ins Rheinland verschlagen, wo ich die Herzlichkeit und Fröhlichkeit der Menschen schätze. Nach intensiven Lehrjahren bei einer internationalen PR-Agentur habe ich mich 1999 in Köln selbstständig gemacht mit VOCATO – erst als One-Woman-Show vom Wohnzimmertisch aus, heute mit einer PR-Schmiede aus sechs PR-Spezialisten, die ich gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin Corinna Bause führe. Studiert habe ich Übersetzen und Dolmetschen an der Uni Heidelberg. Schnell habe ich gemerkt, dass mir das Übersetzen zu wenig Freiheit in der sprachlichen Gestaltung lässt. PR war besser und ein PR-Volontariat der beste Weg, um das professionelle Werkzeug zu erlernen. So war es auch.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Immer in Bewegung bleiben, denn Kommunikation verändert sich rasend. Aber immer in Bewegung bleibe ich auch sonst. Sport ist neben meiner Familie ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Joggen, Skifahren, Fitness allgemein, Schwimmen – dabei tanke ich auf und entwickle neue Ideen auch für meinen Beruf.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Zweierlei ist wichtig: Ein hervorragender Kundenservice und eine professionelle Herangehensweise. Wir sind Spezialist für B2B-PR und sorgen wir dafür, dass unsere Kunden regelmäßig in den für sie wichtigen Medien präsent sind. Und das auch, wenn es sich um erklärungsbedürftige Produkte oder Services handelt. Journalisten sind für uns Partner, denen wir mit Respekt begegnen. Nur so sind wir erfolgreich.

Auch Kunden mit kleineren Budgets werden bei VOCATO bestens betreut – da unterscheiden wir uns von anderen größeren Agenturen, bei denen schon mal der Praktikant oder der Volontär Ansprechpartner ist.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

IT-Systemhäuser gibt es viele, darunter auch zahlreiche kleine und mittlere Player. Die Düsseldorfer IT-On.NET GmbH haben wir nach vorne gebracht und als Spezialisten für IT-Sicherheit in der Presse etabliert. Das sorgt für regelmäßige Veröffentlichungen in hochwertigen IT-Medien und der regionalen Presse. Zuerst haben wir in einem Messaging Workshop die zentralen Kommunikationsbotschaften erarbeitet, die wir bei der Kommunikationsarbeit konsequent verwenden. Heute pushen wir auch den Geschäftsführer als DEN Experten für IT-Sicherheit, machen folglich auch Personality PR. Social Media spielt hier natürlich auch eine Rolle.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Da wir für viele Technologiekunden arbeiten, beschäftigen wir uns oft mit dem Thema Digitalisierung. Cloud, Usability, Mobility, webbasiert sind Themen für uns. Was wir hier machen? Wir arbeiten mit Cloud-Produkten unserer Kunden so zum Beispiel mit Tools für den vereinfachten elektronischen Rechnungsversand oder die vertrauliche E-Mail (bei der Zusendung von PR-Angeboten, -Verträgen etc.). Zudem können wir remote immer auf unsere E-Mails zugreifen und nutzen Computer-Telefonie. Abgespeichert wird eher als ausgedruckt. Die Sicherheit unserer IT ist uns wichtig, so zum Beispiel eine gute Datensicherung. Da helfen uns schon mal gerne unsere Kunden aus dem IT-Bereich.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft bzw. den Staat:

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Deutschland in puncto Netzwirtschaft nicht den Anschluss verliert. Wir haben aufgeholt, aber müssen dran bleiben. Für den Staat wie auch für die Gesellschaft gilt es, hier den Spagat zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und Datenschutz auf der einen Seite und innovativen mutigen IT-Lösungen auf der anderen Seite zu schaffen. Den Ausspruch „Hier in Deutschland funktioniert das nicht“, hört man doch noch allzu oft. Mehr Mut!

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben oft mit der deutschen Bürokratie zu kämpfen. Das merken auch wir als kleinere PR-Agentur. Deutschland steht im Vergleich zu anderen Ländern aber doch ganz gut da. Das merkt man in heutigen Zeiten, in denen viele andere europäische Länder wirtschaftliche oder wirtschaftspolitische Probleme haben. Was PR-Fachkräfte angeht, so ist es leichter, PR-Volontäre zu finden als erfahrenere PR-Berater. Ich würde hier aber nicht von einem Fachkräftemangel sprechen. Für uns hat es sich absolut bewährt, selber auszubilden. So stellen wir regelmäßig PR-Volontäre ein, die 18 Monate lang das PR-Handwerkszeug lernen.

Herausforderung für unseren Markt:

Ganz klar ist hier die größte Herausforderung die Veränderung der Unternehmenskommunikation durch die zunehmende Digitalisierung und Social Media. Dabei geht es auch darum, Kommunikation weiter wertvoll zu halten und nicht abzurutschen in eine Welt aus nichtssagenden, reiterativen Aussagen. PR-Agenturen müssen diese Gratwanderung schaffen und ihr Standing sichern als Spezialisten, die mit Anspruch und Qualität Kommunikation professionalisieren.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir sind Spezialisten für B2B und stehen insbesondere vor der Herausforderung, klassische Pressearbeit über die Printmedien zu betreiben, aber auch Online- bzw. Social Media-Aktivitäten nicht aus dem Auge zu lassen. Die Produkte und Services bzw. Märkte unserer Kunden sind häufig technisch, komplex und damit erklärungsbedürftig. Wir müssen abwägen und eine gute Balance zwischen den verschiedenen Kommunikationsbereichen finden, um erfolgreich zu sein. Storytelling spielt dabei eine große Rolle. Denn haben wir gute Stories generiert, gelangen wir ans Ziel.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich ärgere mich am meisten über unprofessionelle Facebook-Accounts, wenn z.B. bei Firmen sehr Privates mit Beruflichem gemischt und selbstbezogen „Müll“ produziert wird, der nur wenige interessiert. Das gilt natürlich auch für rein private Accounts, aber da ist man noch milder gestimmt, nimmt es hin oder blockt einfach denjenigen. Freuen würde ich mich über mehr Sensibilität bei der Weitergabe privater Informationen. Weniger exhibitionistisch zu sein, ist oft mehr. Toll finde ich es aber, wie viele kleinere und mittlere Firmen es geschafft haben, sich professionell im Web zu platzieren mit guten klaren Aussagen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Beruflich: Eine PR-Börse als Angebots/Nachfrage-Portal für PR-Agenturen mit anderen Kommunikationsspezialisten. PR-Agenturen können Jobs vergeben an andere Kommunikationsdienstleister; andersherum können diese PR-Profis finden z.B. für das Texten einer Website. Schön wäre es, wenn dieses Portal Filteroptionen vorsieht, so dass man regional, nach Größe etc. eine Vorauswahl treffen kann.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://www.prweek.com/uk/news (UK PR news) – interessante strategische News, hier wird über den Tellerrand geschaut. Da sind die Briten schon weiter als die Deutschen.

http://www.prdaily.com/Main/Home.aspx (US PR news) – dito, US Markt ist noch weiter gerade in punkto Social Media/Online-PR

http://pr-blogger.de/ (PR Blog Klaus Eck) – Spezialthemen für PRler, Klaus Eck hat sich etabliert

https://netzpolitik.org/ – Aktuelles aus der Netzwirtschaft, für mich als Tech-PR-Spezialist wichtig.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

http://www.zeit.de/kultur/2015-08/netzpolitik-pressefreiheit-geheimnisverrat – Interessanter Beitrag über Pressefreiheit im Zuge des Ermittlungsverfahren gegen netzpolitik.org

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Steve Kroeger: Die 7 Summits Strategie. Steve Kroeger schreibt über seine Erfahrungen bei der Besteigung des jeweils höchsten Gipfels auf allen Kontinenten und gibt Impulse für das private und berufliche Leben.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

IT-Offensive der IT-On.NET und Nösse Datentechnik: Hochaktuelle IT-Sicherheitsthemen und IT-Trends wurden beleuchtet. Es war sehr spannend und inspirierend.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Unsere Cloud-basierte Journalistendatenbank

“Hootsuite” als Social Media Management Tool

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Am spannendsten würde ich es finden, mit einem hochprofessionellen Social Media Experten (Fokus auf B2B) einen Tag zusammenzuarbeiten.