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Die Forschungsassistenten

Warum Amazon keine Gewinne macht?

Fast jeder aus der Branche hat diesen Chart in den letzten Monaten gesehen: Während der Umsatz von amazon exponentiell wächst, erzielt das Unternehmen auch nach 20 Jahren noch keine Gewinne. Das stimmt zwar, täuscht aber über das hinweg, was wirklich passiert. Benedict Evans von Andreessen Horowitz zerlegt die Bilanzen von amazon und siziert die werttreibenden Teile heraus:

Amazon, die Viele

Das Umsatzwachstum wird im Wesentlichen durch den Verkauf von allgemeinen Handelswaren in Nordamerika getrieben (und nicht zum Beispiel durch den globalen Vertrieb von Büchern). Und in dieser Warenkategorie werden naturgemäß sehr unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Margen an unterschiedliche Zielgruppen verkauft.

Amazon ist organisiert in eigenständigen Einheiten nach Ländern auf der einen Seite und Produktkategorien auf der anderen Seite. Und während einige dieser Bereiche etabliert und bereits profitabel sind (zum Beispiel Bücher), verbrennen andere, quasi die internen StartUps, noch Geld.

Der Amazon marketplace verzerrt das Bild zusätzlich: Amazon verbucht nicht den Handelsumsatz, der über mittlerweile mehr als 2 Millionen (!) Drittanbieter zustande kommt, sondern lediglich die eigene Provision als Umsatz.  Das heißt, dass die im Chart gezeichnete Umsatzlinie nicht das wirkliche (Handels-)Geschehen widerspiegelt.

Die einzig konsistente Aussage, die man also anhand des Charts treffen kann ist die, dass amazon alles, was es verdient, auch wieder ausgibt. Und das wiederum hätte man auch schneller herausfinden können, zum Beispiel durch einen Blick auf diese Skizze von Jeff Bezos.

Wenn es aufgemalte Strategie ist, erzielte Margen zugunsten von Wachstum in das Kundenerlebnis zu reinvestieren, dann sind es nicht die handelsrechtlichen Gewinne, sondern die produzierten Cashflows, die den Erfolg dieser Marschrichtung indizieren.

Profit is opinion but cash is fact.

Ben Evans, Andreessen Horowitz

Die Verschiebung der Perspektive von Gewinnen zu Cashflows zeichnet folgendes Bild:

Die operativen Cashflow-Umsatzrenditen bewegen sich zwischen 2003 und 2014 stabil zwischen 6% und 8% – in der Spitze sogar 13% im Dezember 2009 (Kindle?)

Während Amazon bis 2009 in etwa proportional zum Umsatz investiert hat, wird seit 2009 ein noch einmal größer werdender Teil vom Umsatz zulasten des freien Cashflows in Wachstum reinvestiert.

Diese Mittel werden vor allem in zwei Bereiche investiert: (1) in neue Lager und (2) in den Bereich Amazon web services und zwar – aber das wussten wir schon oben – in einem Ausmaß, dass keine Gewinne akkumuliert werden.

Und wie lange wird das noch so weiter gehen?

Jeff Bezo’s view is pretty clear: keep investing, because to take profit out of the business would be to waste the opportunity.