Interview mit Veit Mathauer – Sympra

Veit Mathauer SympraWer ist Veit Mathauer? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer der Sympra GmbH (GPRA), einer Agentur für Public Relations – und das schon seit 1992. Daneben halte ich Vorlesungen an der Universität Hohenheim und bin seit Neuestem Mentor am Startup Campus Stuttgart.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Habe mich zehn Jahre lang mit Händen und Füßen gegen einen Hund in der Familie gewehrt. Ohne Erfolg: Seit ein paar Wochen schnarcht ein Mops unter meinem Schreibtisch. Jetzt bin ich sein größter Fan.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Sympra hat sich der Kommunikation für komplexe und erklärungsintensive B2B-Themen verschrieben. Je komplizierter ein Thema, desto lieber kümmern wir uns drum. Das machen wir klassisch und digital, in Deutschland und weltweit. Dazu haben wir ein Netzwerk von Partneragenturen gegründet, mit dem wir in 26 Ländern aktiv sind.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben für eine Stiftung einen internationalen Wettbewerb begleitet. Dabei ging es darum, einfache technische Lösungen zu finden, die die Lebensbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern verbessern helfen. Das sind z. B. einfache Wasserfilter, Solaröfen oder Windräder, die in Afrika oder Südamerika von Sozialunternehmern gebaut und gewartet werden können. Neben der klassischen Medienarbeit, die wir zusammen mit unseren Partnern in neun Ländern betrieben haben, konnten wir Erfinder und Entwickler vor allem über soziale Medien erreichen. Wir initiierten einen Fachblog zu Themen aus der Entwicklungszusammenarbeit und konnten große, qualitativ hochwertige und aktive Communities auf Facebook und Twitter aufbauen. Auch weniger bekannte 2.0-Plattformen wie scoop.it wurden von uns bespielt. Intensive Social-Media-Relations haben dazu geführt, die Stiftung und den Wettbewerb international bekannt zu machen – und mehr als 800 Einreichungen aus 90 Ländern zu bekommen. Ein toller Erfolg, den wir jetzt, beim zweiten Durchlauf des Wettbewerbs, toppen möchten. Da wir mit unseren Online-Communities in kontinuierlichem Austausch sind, sollte uns dies gelingen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

  • Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Medienkompetenz lässt außerhalb der „Experten-Community“ noch arg zu wünschen übrig. Was ich da fast täglich an leichtsinnigem, inkompetentem und gefährlichem Verhalten im Web sehe, beweist einen enormen Nachholbedarf.

  • Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland/Europa:

Ich kann den Trend „alles in die Cloud“ erst nachvollziehen, wenn ich wenigstens im Stadtzentrum von Stuttgart flächendeckend mobilen Breitbandzugang habe. Dem ist leider noch nicht so.

  • Herausforderung für unseren Markt:

PR werden so was von digital.

  • Herausforderung für unsere Firma:

Sympra wird so was von digital.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Wir waren seinerzeit eine der ersten PR-Agenturen mit einer Website und sind seither ganz weit vorne bei der (Achtung Buzzword!) digitalen Transformation dabei. Schade, dass die Netzinfrastruktur mit den Applikationen kaum Schritt halten kann.

Welches „Problem“ würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Bei Sympra essen wir jeden Tag gemeinsam zu Mittag. Jeder ist einmal alle zwei bis drei Wochen dran, für die Mannschaft zu kochen oder Speis‘ zu beschaffen. Das macht Spaß, aber schön wäre auch ein Bringdienst, der mehr als Pizza und Burritos im Angebot hat. Da sehen wir, mit Standort am Rand des Stuttgarter Kessels, nach wie vor ein mögliches Geschäftsmodell für Gründer.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Einen aktuellen Überblick über das Geschehen in der PR-Szene und zu übergeordneten Branchenthemen gibt es z. B. im www.pr-journal.de. (Und natürlich auf www.blog.sympra.de.)

  • einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Ich bin vor ein paar Tagen zufällig auf den Artikel „Brunners letzte Fahrt“ in der ZEIT (www.zeit.de/2015/27/verkehrssicherheit-senioren-unfaelle-gefahr) gestoßen. Der hat mich sehr berührt. Der Autor Henning Sussebach befasst sich in einer hintergründigen Reportage mit dem Thema Autofahren im Alter und schildert die Problematik an einem realen Unfallgeschehen. Das ist kein schöner Artikel, aber ein hervorragendes Beispiel für guten Journalismus. Schön, dass es immer noch solche großen Geschichten gibt!

  • ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

In seinem „Kill your agency“ trägt Lukas-Pierre Bessis verschiedene Kreativitätstechniken zusammen und zeigt auf, warum und wann Unternehmen (k)eine Agentur brauchen. Lesenswert.

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Meine vier Urlaubstage an Pfingsten in Kopenhagen: Da habe (wieder) gelernt, dass andere Länder in Sachen Internet einen erheblichen Vorsprung haben. In Kopenhagen gibt’s in jedem Stadtbus, in jedem Museum und an den meisten öffentlichen Plätzen „Free WiFi“, das tatsächlich auch funktioniert. Wer in der Carlsberg-Brauerei ein getaggtes Foto auf Instagram hochlädt, kriegt was geschenkt. Habe eine ganze Menge guter Ideen nach Hause mitgebracht.

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Moovel – hilft mir, mich zu Terminen fortzubewegen, wenn ich ohne Auto unterwegs bin.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Würde gern mal einen Tag mit Mathias Döpfner von Axel Springer zusammenarbeiten. Er hat es geschafft, eine Verlagsgruppe, die ganz klassisch unterwegs war, zu einem modernen, weborientierten Medienunternehmen umzubauen. Das ist visionär und marktprägend. Mich würde interessieren, wie er die Medienlandschaft in fünf oder in zehn Jahren sieht, wie er sein Unternehmen dementsprechend umgebaut hat und was wir bei Sympra davon lernen können.