Interview mit Sabina Wachtel – ExpertExecutive

Sabina Wachtel ExpertExecutive

Foto: Jörg Ladwig

Wer ist Sabina Wachtel?  

Sabina Wachtel, Jahrgang 1967, Unternehmerin, Rednerin, Buchautorin („Goldschnitte“, Diana Verlag), Handelsblatt-Kolumnistin (Die Chefberaterin, Mittwochskolumnen) und TV-Expertin für Dresscode & Style.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Da fallen mir so viele ein – ich glaube, die muss man auch haben als Unternehmerin. Mein erstes Unternehmen habe ich mit 23 gegründet – meine heutige Firma, „ExpertExecutive“ ist auch eine Folge dessen, dass ich immer wissen will, wo vorne ist. ExpertExecutive, wird im nächsten Jahr zwanzig Jahre alt.  Nebenbei habe ich 2011 mein Label ManagerOutfit gegründet.  Ah, doch – ein Spleen wäre, dass ich immer die Klienten wollte, die etwas zu sagen haben. Ich glaube, ein weiterer Spleen ist, dass ich aus allem was machen kann – oder denke, es machen zu können. Ein Beispiel: Hätte ich einen Kakteenzüchter im Bekanntenkreis, der nicht weiter wüsste, würde ich dafür sorgen, dass in jedem Haushalt ein Kaktus steht. Verstehen Sie, was ich meine? Ich könnte auch für die Eisen- oder Backwarenindustrie arbeiten… Ich hätte immer Ideen. In der Anfangszeit wurde ich ausgelacht, als ich sagte, dass ich mit Spitzentypen arbeiten möchte und nicht beliebig sein möchte, dass ich etwas Besonderes anbieten will: etwas, das niemand hat. Gerade im Feld des Executive Coachings für Auftritte, das ja wirklich undurchschaubar und extrem hart umkämpft ist, war das vielen suspekt. So anmaßend zu sein, ist riskant. Aber ich habe mich nicht entmutigen lassen und telefoniert. Kaltakquise. Ich glaube, jede Vorstandsassistentin, die einen Vorstand bewacht, kannte mich. Nach einem halben Jahr hatte ich den ersten Vorstand als Klient. Und heute werden meine Executive Coaches unter denen herumgereicht, die mit Auftritten Wert schaffen – und hoffentlich nicht vernichten.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Mein Unternehmen bereitet Spitzenmanager auf öffentliche und interne Reden und Antworten vor. Das Kerngeschäft sind Executive Coachings für Auftritte mit einer Expertise, die es in Deutschland kein zweites Mal gibt. Mit Prinzipien: Alle Executive Coaches mit mehrjähriger didaktischer Ausbildung, für alle Klienten dasselbe transparente Honorar, lückenlose Diskretion seit 19 Jahren.

Wir arbeiten bei ExpertExecutive mit den besten Klienten. Zusätzlich sorgen meine Labels ManagerOutfit und „55Dresscodeberater“ für Qualität in Dress & Style.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Mich fasziniert, wenn Menschen ganze Geschäftsmodelle und Identitäten  vom Kopf auf die Füße stellen. Klar hat auch das Persönliche seinen Reiz: zum Beispiel wenn ein angehender Vorstand ein komplettes Makeover für die Position durchläuft und dann wie eine neue Person dasteht. Und es hat eine ganz andere Qualität, wenn wir etwa mit einem Team von Executive Coaches, Informationsdesignern und Dresscodeberatern einem Managementboard eines internationalen Unternehmens helfen. Immer, wenn ich den Roll-out begleite, ist es so, dass eine Vision vor meinen Augen Realität wird.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

  • Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Es ist nicht meine Art, zuerst danach zu schauen, was der Staat oder die Gesellschaft tun. Ich denke, dass es letztlich darum geht, was jeder Einzelne bewegen kann – ganz egal, ob man das persönliche Umfeld anschaut, das Unternehmen oder eben die ganze Welt.

  • Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ach was! Man muss sich immer diejenigen suchen, die die Sache am besten machen. Klar macht die voll vernetzte Wirtschaft das eine oder andere unübersichtlich – aber weitaus zahlreiche sind die Punkte, an denen wir davon profitieren.

  • Herausforderung für unseren Markt:

Die Herausforderung hat sich in der Sache überhaupt nicht geändert: In einem diffusen Markt, in auf dem sich jeder „Trainer“ oder „Coach“ nennen kann, gilt es, die Perlen zu finden: diejenigen, die Methode haben. Diejenigen, die einfach wissen, was sie tun. Dazu kann das Netz mehr Transparenz schaffen. Aber wir dürfen es nicht unterschätzen.

  • Herausforderung für unsere Firma:

Wenn du nicht auf Masse zielst – weil deine Klienten einfach nicht Masse sind – sondern eben sehr, sehr, exklusiv, dann ist deine Aufgabe viel weniger, dich zu vernetzen als vielmehr deine Exklusivität sichtbar zu machen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mein größter Vorteil am Online-Sein ist , dass ich immer erreichbar bin und jeden jederzeit erreichen kann. Ich liebe es! Wirklich! Was mich allerdings auch immer mal wieder in den Wahnsinn treibt, ist, dass ich immer erreichbar bin und jeden jederzeit erreichen kann. Aber das treibt mich nur manchmal in den Wahnsinn

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

handelsblatt.com, natürlich. Für mich ist es genauso wichtig, über das Geschehen in der Wirtschaft auf dem Laufenden zu sein, wie zu wissen, was in meiner Branche los ist. Und da liefert mir das Handelsblatt die beste Mischung.

  • einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Von Begeisterung möchte jetzt da jetzt nicht sprechen, dazu ist es zu ernst. Was mich aber inspiriert hat, ist die Videobotschaft von Helge Schneider, nachdem er seine Lesung in Hannover absagen musste.

http://www.welt.de/kultur/article148968922/Videobotschaft-von-Helge-Schneider-nach-Absage-seiner-Lesung.html

  • ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Sei nicht authentisch – ich arbeite mit diesem Buch jeden Tag und kann es Menschen empfehlen, die glauben, dass sie authentisch sind.

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ehrliche Antwort? Ich gehe mittlerweile kaum noch auf Business-Veranstaltungen, Tagungen etc. Ich finde die mehr als mäßig: Langweilige Redner, mäßig vorbereitet, schlechte Inszenierungen selten auf das Publikum ausgerichtet. Aber was ganz groß ist, und ja auch die Rennaissance der Rhetorik ist: Die TED Konferenzen und Videos. Zwei unserer Coaches haben dort schon Klienten vorbereitet.

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

Noch eine ehrliche Antwort: Ich liebe Instagram. Für die ‚Goldschnitte‘ habe ich damit angefangen – mittlerweile habe ich den Ehrgeiz, meine Follower zu unterhalten. was nicht ganz einfach ist –  bei dieser Flut an Menschen und  tollen Fotos. Schnell wird man entfolgt, hahaha.  Nämlich dann, wenn man nicht gut liefert. Die einen machen das über Klamotten, Figur oder was weiß ich. Ich versuche es über Text. Sehr interessantes Learning.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Eine echte Ikone: Madonna. Von niemandem sonst kann man so viel darüber lernen, wie ein Auftritt wirken kann. Madonna inszeniert sich seit 30 Jahren konsequent, in welcher Rolle auch immer. Mehr auf den Punkt ist keiner.

Apropos konsequent…Die zweite Person, mit der ich einen Arbeitstag verbringen würde, ist Hermann Bühlbecker. Und zwar nicht, weil ich mir davon einen ganzen Tag Kekse verspreche (das  wäre allenfalls ein angenehmer Nebeneffekt). Nein, dieser Mann macht aus einem Keksteller ein Style-Element. Wenn Hermann Bühlbecker zum Saisonbeginn Dominosteine präsentiert, ist das Ästhetik pur. Den sollten Sie mal interviewen.

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