Interview mit Renate Blaes –
Edition Blaes

Renate Blaes Edition BlaesWer ist Renate Blaes? Bitte stell dich doch mal kurz vor.

Ich verdiene meine Brötchen als Grafikdesignerin, Fotografin, Autorin und seit einigen Jahren auch als Verlegerin.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Als Spleen würde ich es nicht unbedingt bezeichnen aber als große Leidenschaft. Ich bevorzuge seit über 30 Jahren Katzen als Untermieter und kann mir ein Leben ohne diese wunderbaren Wesen nicht vorstellen. Aus diesem Grund schreibe ich auch Katzenbücher und führe ein gut besuchtes Katzenblog.

Elevator Pitch! Was macht deine Firma? Und vor allem: was machst du am besten, wo liegt deine Superpower?

Mein kleiner Verlag „Edition Blaes“ ist im Grunde ein „Bauchladen“, weil ich verschiedene Dienstleistungen anbiete und kombiniere: Korrektorat, Lektorat und Buchdesign. Meine Superpower liegt wohl in der persönlichen Betreuung meiner Autoren. Ich bin für alles zuständig, bei Edition Blaes „kocht“ die Chefin persönlich. Außerdem wird alles so schnell wie möglich erledigt. Das mögen meine Autoren. Außerdem schätzen sie die Qualität meiner Arbeit, die nach mehr als 30 Jahren sehr fundiert ist. Ein Autor hat vor kurzem zum Beispiel gemeint, ich sei eine 5-Sterne-Lektorin …

Wie lebst du Digitalisierung in deinem Unternehmen? In welchem Bereich hast du Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung steht bei mir an vorderer Stelle. Theoretisch bräuchte ich gar nicht mehr aus dem Haus zu gehen, weil alles übers Internet abläuft: Kontakt zu Autoren/Kunden, Kontakt zu Lieferanten/Druckereien, auch der Versand von Dateien erfolgt ausschließlich elektronisch.

Außerdem zähle ich wohl mit zu den ersten deutschen Bloggern – ich blogge seit rund 12 Jahren. Ich führe vier  Blogs, zwei berufliche (Design/Text und Verlag) und zwei private (Katzen und Fotos).

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, deinen Markt, deine Firma, deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

  • Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Globalisierung nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zu leben. Angesichts der momentanen politischen Herausforderungen müssen wir u. a. dafür sorgen, dass die vielen Flüchtlinge integriert werden. Das halte ich für eine sehr große und wichtige Herausforderung, die nur schwer zu meistern sein wird. Eigentlich halte ich sie für nicht lösbar.

  • Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Investitionsstau? Ich wüsste nicht, wo Investitionen in einem Stau stecken.

Abhängigkeit von Monopolisten? Monopolisten gab es schon immer, ich sehe diesbezüglich keine Gefahr. Denn auch kleine Unternehmen finden ihre Nischen, so auch mein kleiner Verlag.

Zu viel Bürokratie? Auch das ist nicht neu in Deutschland. Bürokratie hat Vorteile, deshalb hat sie auch Nachteile. Ich kann diesbezüglich kein Problem erkennen, allerdings habe ich erfreulicherweise auch wenig mit Behörden zu tun.

Bessere Ausbildung von Fachkräften? Deutsche Unternehmen sind hervorragende Ausbilder!

Zu wenig Übersicht?  Ich denke, es gab aufgrund der Informationsvielfalt im Internet noch nie so viel Übersicht wie heute.

  • Herausforderung für unseren Markt:

Angesichts der VW-Krise: Ehrlichkeit und Ethik im Geschäftsleben sind angesagt. Gewinnstreben sollte erst an zweiter Stelle stehen. Tut es aber leider nicht, im Vordergrund steht immer das Geld. Nicht bei allen, aber bei vielen.

  • Herausforderung für meine Firma:

Ich muss einfach nur so weiterarbeiten wie bisher: Die Nase immer vorn am Marktbedarf haben und alle technischen Möglichkeiten nutzen. Ich bin für meinen Job hervorragend ausgerüstet. Außerdem habe ich einen sehr zuverlässigen IT-Berater. Ohne den wäre ich wohl schon dem Wahnsinn verfallen.

Was hat dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten geärgert haben mich zwei Dinge:

Identitätsklau. In meinem Namen wurden diverse Aufträge erteilt. Das hat mich viel Zeit gekostet. Unter anderem zwei Stunden bei der hiesigen Polizei, die gar nicht wusste, wie sie mit der Sache umgehen sollte.

Vor einzigen Monaten wurde meine Verlags-Seite gehackt. Dank meines IT-Beraters und meines Providers war sie innerhalb weniger Stunden aber wieder Online.

Am meisten gefreut hat mich der Auftrag, eine Unternehmerbiografie zu schreiben. Der Mann hat mich im Internet entdeckt!

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Für mich als Kleinverlegerin sehr wichtig und informativ ist:

http://www.selfpublisherbibel.de/

Dort werden alle für mich relevanten Themen kompetent behandelt.

  • einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Es war kein Artikel, sondern ein Vortrag von Arno Gruen bei youtube.

Dieser großartige Mensch ist leider vor kurzem gestorben. Er war ein weiser Mann – mit viel Liebe in seinem Herzen.

  • ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„Die Wand“ von Marlen Haushofer. Das ist Literatur vom Feinsten. Die scheinbare Einfachheit ihrer Formulierungen ist beeindruckend und Beispiel großer Sprachkunst.

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Auf einer Veranstaltung, auf der ich wirklich was gelernt habe, war ich schon lange nicht mehr.

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Photoshop, InDesign und seit kurzem Jutoh, mit dem man problemlos und schnell Ebook-Dateien produzieren kann. Nicht zu vergessen das Internet, dort suche und finde ich täglich wichtige Informationen.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Matthias Matting. Er wird zu Recht als „Selbstpublizierer-Papst“ genannt. Sein fundiertes und breites Wissen zum Thema Buchveröffentlichung ist beachtlich! Es gibt innerhalb dieses Themas so gut nichts, mit dem er sich nicht auskennt. Bei ihm einen Tag ins Nähkästchen zu schauen, würde mir sehr gut gefallen.

 

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