Interview mit Nick Bortot – BUX

Nick Bortot BUXWer ist Nick Bortot? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Ich bin Nick Bortot, Gründer und Geschäftsführer von BUX. Meine Mission: Die Wall Street auf die Main Street bringen. Ich hasse Komplexität. Gebt mir einen zehnseitigen Text und ich mache daraus direkt einen halbseitigen. Meine Freundin fragt mich manchmal, wie ich in der Lage bin, gleichzeitig ein Unternehmen zu leiten, eine Familie mit drei Kindern, zwei Katzen und einem Hund zu managen und nebenher immer noch viele andere Dinge zu machen. Das ist nur möglich, weil ich nur einen kleinen Teil von dem was ich sehe oder erlebe in meinem Gedächtnis abspeichere. Zum Glück habe ich einige großartige Mitgründer, die ein sehr gutes Auge fürs Detail haben. Wäre dem nicht so, hätten wir dieses Unternehmen niemals zum Laufen gebracht 🙂

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma, wo liegt Eure Superpower?

Die Finanzmärkte haben eine magische Anziehungskraft auf viele Menschen. Man denke nur an den Erfolg von „The Wolf of Wallstreet“. Leider sind Plattformen für den Aktienhandel viel zu kompliziert. Sie haben alle eine Menge Schnickschnack wie komplexe Diagramme, blinkende Lichter und schwierigen Jargon.

Um die Aktienmärkte für jedermann zugänglich zu machen, haben wir eine App entwickelt, die den Aktienhandel extrem unkompliziert und vor allem auch Spaß macht. Man kann mit virtuellem oder echtem Geld handeln, sich mit anderen BUX-Nutzern austauschen, kurze und verständliche Geschichten über die eigenen Lieblingsunternehmen lesen und sich in Mini-Wettbewerbern mit anderen Nutzern messen. Momentan sehen wir, dass 80 Prozent unserer Nutzer wenig oder gar keine Erfahrung mit dem Aktienhandel haben. Wir haben damit wirklich einen neuen Markt erschaffen.

Worin wir am besten sind? Unsere Superpower? Um den Aktienhandel komplett neu zu erfinden, habe ich mich dazu entschlossen für mein Team nicht nach ehemaligen Bankiers oder Brokern Ausschau zu halten. Stattdessen haben wir bei BUX ein großartiges Team, das aus Leuten besteht, die einen Gaming- oder Social Network-Hintergrund haben. Mit dieser Gruppe von Leuten, waren wir in der Lage ein Erlebnis zu schaffen, das eine traditionelle Bank oder ein Broker niemals anbieten kann.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”? 

Obwohl ich früher ein ziemlicher Kontrollfreak war, bin ich nun ein großer Fan von einer wie ich es nenne „Loslassen-Strategie“: Versuche die besten Mitarbeiter zu finden und gib ihnen  eine Menge Freiheit. Ich kann mich immer noch daran erinnern als ich 18 war und meinen Führerschein bekam. Mein Vater kam auf mich zu und nachdem er mir gratulierte, gab er mir die Autoschlüssel und sagte „Bitteschön, Sohn. Hier ist mein Auto. Fahr eine Runde.“ Das war großartig. Und wisst Ihr, was das Beste daran war? Mein Vater ist nicht in das Auto gestiegen und hat sich auf den Rücksitz gesetzt, um mir über die Schulter zu schauen. Ich bin mir sicher, dass viele von Euch eine ähnlich tolle Erfahrung gemacht haben.

In Unternehmen passiert dabei das ganze Gegenteil: Dort gibt der Chef Euch die Schlüssel, setzt sich aber auf den Rücksitz des Autos. Ich denke Ihr versteht, worauf ich hinaus will…Sobald man Leuten Freiheiten gibt, geben sie richtig Gas und erschaffen die tollsten Dinge.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten (oder Jahren) sein, wo sind die Engpässe? 

  • Herausforderungen für die Gesellschaft:

Ich spreche mit immer mehr Leuten, die einen Burnout haben. Aufgrund von Smartphones und sozialen Medien ist man ständig online. Leute wachen auf und bevor sie ihre Kinder wecken, checken sie ihre Emails und Facebook. Wir müssen uns wirklich an diese neuen Technologien und Medien gewöhnen. Sobald ich im Urlaub mit meiner Familie bin, schalte ich mein Handy aus. Meistens sind wir auch an einem Ort, an dem es überhaupt kein Internet gibt. Ich liebe das!

  • Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland/Europa:

Wir erfinden immer wieder neue Sachen, die das Leben hier im Westen einfacher oder besser machen. Aber um ehrlich zu sein: Ich liebe Uber oder Airbnb, aber mein Glücklichkeitslevel ist dadurch nicht signifikant gestiegen, seitdem ich diese Dienste nutze. Was wäre, wenn all diese schlauen Leute aus dem Valley ihre Bemühungen darauf ausrichten würden, das Leben von Menschen in unentwickelten Ländern zu verbessern? Ich bin mir sicher, dass wir mit ihrer kollektiven Intelligenz eine Menge an Problemen der Welt lösen könnten.

  • Herausforderung für unseren Markt:

Die Herausforderungen für die Finanzwelt sind offensichtlich: Traditionelle Institutionen müssen mit einem großen Problem ihres eigenen Erbes fertig werden. Wir alle wissen, dass ihre internen Systeme aus den 70er und 80er Jahren stammen und deren Architekturen wie verhedderte Spaghetti sind. Niemand hat mehr einen Durchblick und kann das Chaos entwirren. Andererseits ist das natürlich eine große Chance für neue Marktteilnehmer.

  • Herausforderung für unsere Firma:

Haha, ich kann Euch Hunderte von Herausforderungen nennen, denen wir uns in den kommenden Jahren stellen müssen. Unternehmertum bedeutet von der einen zur nächsten Herausforderung zu springen. 🙂 Eine unserer größten Herausforderungen ist es, den Spaß in die Finanzwelt zurückzubringen. Das Finanzwesen ist nicht etwas, was nur da draußen ist, um sicherzustellen, dass jeder seine Gehaltsabrechnung bekommt oder einen Pott voll Geld mit 65 zu haben. Das Finanzwesen ist total faszinierend. Nehmen wir die Finanzmärkte zum Beispiel. Obwohl der Kauf und Verkauf von Aktien ein Weg ist, um Geld zu machen, ist es dennoch viel mehr als das: Die Finanzmärkte sind ein Spiegel, der zeigt was in der Welt passiert. Durch eigene Aktivitäten in den Finanzmärkten lernt man so viel über die Wirtschaft, Politik und sogar über den Einfluss des Wetters…Und abgesehen davon ist Trading aufregend und macht Spaß.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Verärgerung ist ein wenig übertrieben, aber ich finde die digitale Welt immer noch ziemlich komplex: Ich kämpfe zum Beispiel oft mit meinem Internet-Router zu Hause. Und die Bedienungsanleitung meines Internetanbieters bringt mich dabei auch nicht weiter. Manche Techies überschätzen einfach die Fähigkeiten des Durchschnittsanwenders.

Eine Sache, die mich sehr glücklich macht ist, dass das Internet einen enger mit seinen Liebsten zusammenbringt: Mein Bruder lebt in Nigeria und ich kann einfach mit ihm plaudern als ob er im Raum nebenan sitzt. Das ist großartig.

Welches „Problem“ würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Es wäre großartig, wenn ein Startup ein echtes Problem der Gesellschaft lösen würde. Denkt nur an Kriege, Dürren oder ähnliches. Technologien entwickeln sich extrem schnell, aber andererseits sterben immer noch viele Menschen aufgrund von Hungersnöten, Kriegen oder Terrorakten. Ich bin realistisch und ich weiß, dass es nicht leicht ist diese Probleme zu lösen, aber ich bin sicher, wenn wir es versuchen können wir diese Welt besser machen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

  • einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst:

SUE ist eine Behavourial Design Firma aus Amsterdam und ich bin ein großer Fan ihres Newsletters. Sie stellen die inspirierendsten Artikel rund um Marketing, Kommunikation, Psychologie, menschliches Verhalten usw. zusammen.

  • einen Artikel Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat:

Ich liebe den Jahresbericht von Mailchimp. Wenn man von Spaß spricht, diese Jungs treffen den Nagel auf den Kopf!

  • ein Buch, das Dich bei Deiner Arbeit inspiriert hat:

„Lean Startup“ von Eric Ries: Dieses Buch ist meine Bibel. Im Grunde sagt es: Verschwende nicht zu viel Zeit damit, über Dein neues Produkt nachzudenken und es zu verfeinern. Entwickele einfach ein simples Produkt, bring es auf den Markt, erhalte Feedback und mache es dann besser. Das erspart einem eine Menge Zeit und Geld.

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Es tut mir leid es so sagen zu müssen, aber ich finde große Events nicht gerade inspirierend. (Vielleicht gehe ich auch zu den falschen Events.) Oftmals sind die Präsentationen oberflächlich und Dir werden Sachen erzählt, die Du bereits weißt. Ich bevorzuge es ein Gespräch mit den Jungs aus meinem Team zu haben in einem der Cafés rund um unser Büro. Wenn da kein Zeitdruck ist, kann man wirklich in die Tiefe gehen und etwas lernen.

  • ein hilfreiches Tool / Software für Deine Arbeit

In Hinblick auf diese Frage könnte meine Antwort etwas enttäuschend sein. Wenn ich arbeite, verbringe ich den Großteil der Zeit damit mit Leuten zu sprechen, Emails zu schreiben oder zu telefonieren. Ich benutze kaum irgendwelche smarten Tools.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten? 

Es war mein Vater, der mit lehrte, dass Risiko und Ertrag zu 100 Prozent miteinander korrelieren. Er war ebenfalls Unternehmer und seine Adagio war „Kein Mumm, kein Ruhm“, die wir bei BUX in „Kein BUX, kein Ruhm“ umgemünzt haben 🙂

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