Interview mit Markus Kaiser – MedienNetzwerk Bayern

Markus Kaiser MedienNetzwerk BayernWer ist Markus Kaiser? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Geschäftsstellenleiter beim MedienNetzwerk Bayern, der Medienstandort-Agentur des Freistaats Bayern. Daneben arbeite ich als Dozent an verschiedenen Universitäten und Hochschulen und als Journalist. Ursprünglich war ich Sport-, Hochschul- und Wissenschaftsredakteur der „Nürnberger Zeitung“. Medien – vom Gymnasium bei der Schülerzeitung bis heute beim MedienNetzwerk Bayern kann ich mir kein spannenderes Feld vorstellen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Naja, auch hier hat vieles mit Medien zu tun. Natürlich probiere ich liebend gerne alle neuen Medien aus. Zuletzt war ich im HoloDeck 4.0 vom Fraunhofer-Institut in Nürnberg. Aber auch klassische Medien schätze ich sehr; ich lese immer noch mehrere Tageszeitungen. Am liebsten natürlich dann, wenn der 1. FC Nürnberg endlich mal wieder ein Spiel gewonnen hat. Als großer Club-Fan muss ich hier leider sehr viel leiden.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir beim MedienNetzwerk machen so viel, dass Du zum Glück nicht gesagt hast, wie viele Stockwerke wir gerade mit dem Fahrstuhl hochfahren. Wir haben vier Säulen: Erstens die Medienstandort-PR und -Kommunikation für Bayern, zweitens Vernetzung innerhalb der Medienbranche und mit anderen Branchen wie Automotive, Architektur oder Medizintechnik, drittens das Aufspüren und Anschieben neuer Trends, viertens die Koordinierung der Aus- und Fortbildung. Der letzte Punkt wurde vom MedienCampus Bayern eingebracht, mit dem im November 2014 das MedienNetzwerk Bayern zusammengelegt worden ist. Um es mit Leben zu füllen: Wir betreiben die Medienstandort-Website www.medien.bayern und weitere Online-Portale wie das MedienWiki (www.medienwiki.org), wir organisieren zahlreiche Veranstaltungen wie den Augmented Reality Day oder Jahrestagungen von Medien-Professoren und wir arbeiten viel im Hintergrund auch in beratenden Gesprächen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir haben die Veranstaltungsreihe „Healthcare meets Games & IT“ in Bayern gestartet, um die Medizinbranche mit Games und IT zusammenzubringen. Diese ist auf Anhieb top eingeschlagen und es haben sich – was ja das Ziel ist – auch schon erste Projekte daraus entwickelt. Was bei dieser Veranstaltung, aber auch bei unserer Ringvorlesung Games, dem MedienCampus-Areal auf den Medientagen München und vielen anderen Projekten unser Erfolgsrezept ist: In persönlichen Gesprächen versuchen wir vorher herauszufinden, was tatsächlich gebraucht wird. Wir gehen dann sehr individuell auf die Bedürfnisse ein. Und wir hinterfragen unsere Projekte immer wieder und verbessern diese dann kontinuierlich. Außerdem haben wir eher das Motto: Lieber ausprobieren als tot diskutieren. Und unser größtes Erfolgsrezept beim MedienNetzwerk: Wir lieben unseren Job und machen jedes Projekt mit großer persönlicher Leidenschaft.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir selbst als Medienstandort-Agentur sind ja eher dafür da, Medienunternehmen die Chancen der Digitalisierung näher zu bringen. Dies ist eine unserer Hauptaufgaben, damit Bayern nach wie vor unter den Top-Medienstandorten bleibt. In manchen Teilbranchen, wie Games oder Animation, fällt dies natürlich leichter als in traditionelleren wie Buch und Hörfunk. Aber auch hier hat sich in Bayern in den vergangenen Jahren einiges bewegt.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

  • Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

In der Gesellschaft muss die Diskussion geführt werden, wie digital will sie leben. Nur wenn die Gesellschaft den Mehrwert und Nutzen von selbstfahrenden Autos, Datenbrillen oder Wearables erkannt hat, aber auch die Risiken und Gefahren kennt und gegenüber dem Nutzen abgewogen hat, erhält die Netzwirtschaft einen weiteren nachhaltigen Schub. Der Staat muss die Rahmenbedingen schaffen, vor allem rechtlicher Art.

  • Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Netzwirtschaft selbst muss mutig sein und das Scheitern einzelner Projekte zulassen. Nur wer ausprobiert, kann auch erfolgreich sein. Insgesamt sehe ich eine gesunde Mischung aus großen Playern und Startups in der Netzwirtschaft. Vor allem Bayern macht mit der Initiative Gründerland Bayern viel für diesen Bereich. An top ausgebildeten Absolventen von Hochschulen und Universitäten mangelt es dem Medienbereich nicht. Wichtig wird nur sein, dass diese Top-Fachkräfte auch dem bayerischen bzw. deutschem Markt zur Verfügung stehen und zum einen nicht ins Ausland oder in andere Branchen abwandern.

  • Herausforderung für unseren Markt:

Man darf sich nie ausruhen, nie denken, die Digitalisierung ist geschafft. Die Netzwirtschaft dreht sich immer weiter. Wer dies verstanden hat, wird auf Dauer erfolgreich sein.

  • Herausforderung für unsere Firma:

Immer am Ball bleiben, neue Projekte anstoßen, gut zuhören, was die bayerische Medienbranche braucht und dann zusammenbringen.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten geärgert hat mich in meinem letzten Urlaub das WLAN im Hotel, das zu langsam war, um eine heute gewöhnliche Website aufzubauen. Entweder sollte es überall schnelles Internet geben oder modifizierte Seiten, die (wie früher zu Modem-Zeiten) nur auf das Wesentliche reduziert sind, weit reduzierter als bei einem üblichen responsive Design. Am meisten gefreut hat mich, dass ich als Medienvernetzer heute mit so vielen Menschen in Kontakt stehe und ganz schnell mit ihnen kommunizieren kann, wie es früher undenkbar gewesen wäre. Ob dies jetzt per Facebook, Twitter, XING oder E-Mail passiert, ist dabei nebensächlich.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Puh, dass die Bahn dauernd Verspätungen hat (als Medienvernetzer sitze ich viel in Zügen), kann leider auch kein Startup lösen. Ich selbst sehe weniger auch Probleme als faszinierende neue Möglichkeiten, Produkte und Features, die Startups schaffen. Was mich zuletzt begeistert hat, sind Medien mit anderen Branchen zu verknüpfen. Das Auto wird das Medienzentrum der Zukunft. Wenn ich krank bin, spiele ich Health Games. Statt mir neue Gebäude am PC anzuschauen, spaziere ich mit der Oculus Rift selber durch. Hier muss es einen Mix geben: Manche Technologien kommen von Startups, manches von Forschungseinrichtungen, manches von etablierten Unternehmen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich nutze gerne online vor allem newsroom.de, turi2 sowie www.medien.bayern und als Printmagazine den „Gamesmarkt“, den „journalist“ und „Blickpunkt Film“. Das deckt nahezu das gesamte Medienspektrum ab, wenn ich noch den Medienteil der „Süddeutschen Zeitung“ dazunehme.

  • einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Ein Artikel über den Verlagsstandort Bayern. http://www.mediennetzwerk-bayern.de/5355/verlagsstandort-bayern/

  • ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Digitale Theologie“ von Johanna Haberer. Sie ist Professorin an der Universität Erlangen, wo ich selbst auch lehre. Es war das letzte Buch, das ich gelesen habe. Insgesamt interessiert mich alles im Bereich neue Medienentwicklungen, Storytelling im Journalismus und Digitalisierung. Ich habe selbst immer noch viele Bücherregale und kaufe jedes Jahr viel zu viele neue Bücher.

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Das waren unsere drei Tage Augmented Reality Day, Animation Day und Transmedia Day vom MedienNetzwerk mit dem Bayerischen Filmzentrum an der Hochschule für Fernsehen und Film in München im Februar 2015. An diesen drei Tagen gab es so viel geballtes Wissen, so viele (auch internationale) Speaker, so viele neue Ideen. Im nächsten Jahr gibt es dann die zweite Auflage dieser auf drei Tage gebündelten Veranstaltungsreihe, aus der in Zukunft noch etwas richtig Großes entstehen kann.

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Sicherlich nicht originell, aber das am häufigsten gebrauchte Tool: Thunderbird als Mailprogramm. Als der Medienvernetzer Bayerns kommuniziere ich ja den ganzen Tag. Wenn Du Ohren, Augen und den Mund als Tool zählst, wäre es in meinem Job das natürlich. Ich freue mich, dass ich nebenher noch ab und zu auch weiterhin journalistisch arbeiten kann, etwa wenn ich über die Sportart Triathlon schreibe. Dann sind es eher Tools oder Software wie WordPress oder auch im Bereich Multimedia-Reportagen.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Das Spannende ist ja, jeden Tag mit einem anderen Experten zusammenzuarbeiten. Dadurch entstehen immer neue Ideen, Gedanken, Projekte. Und noch viel wichtiger: Gespräche nicht nur mit Experten zu führen, sondern auch mit denen, die Medien nutzen. Denn dann erhält man ganz andere Sichtweisen, als wenn man sich nur in der Expertenwelt tummelt. Mir macht es besonders viel Spaß, bei meinen Lehraufträgen Feedback von Studenten zu bekommen. Dadurch hinterfragt man selbst auch sehr vieles immer wieder.