Interview mit Dr. Jan Pierre Klage – drkmb

Dr. Jan Pierre Klage drkmb

Foto: Dennis Williamson, Buxtehude

Wer ist Jan Pierre Klage? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich war mehr als 20 Jahre in Führungspositionen der Verlagsbranche tätig. Einer Branche, die von der disruptiven Kraft der Digitalisierung voll erwischt wurde und bis heute keine tragfähigen Antworten auf die veränderte Situation gefunden hat.

Nach meinem selbstgewählten Ausstieg habe ich mich vor einigen Jahren als Unternehmensberater, Managementtrainer und Innovationsforscher selbstständig gemacht. Als Blogger, Buchautor und Lehrbeauftragter an zwei deutschen Hochschulen gehe ich dabei nahezu jeden Tag auf die Suche nach den Bedingungen, unter denen Querdenken möglich wird und neue Ideen entstehen können.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Gerne! Wir sind ja unter uns…: Rockkonzerte im Ausland. Zusammen mit meiner Frau verbinde ich gerne Städtetrips mit Konzertbesuchen: U2 in Rom, Mark Knopfler in Dublin, Paul Weller in London, die Foo Fighters in Madrid, Deep Purple in Verona oder Leonard Cohen in New York sind nur einige unserer vielen und besonderen musikalischen Highlights, die dabei schon zusammengekommen sind.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

drkmb steht für eine besondere Form der Personalentwicklung und Managementberatung. Viele Unternehmen setzten immer noch auf Rezepte, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Künftig aber kommt es auf etwas völlig anderes an, auf Geschäftsmodelle, die ständig und radikal erneuert werden müssen. Mit unseren Trainings, Seminaren und Workshops regen wir zum Denken an und sensibilisieren für neue Perspektiven auf den unternehmerischen Alltag. Mit einer Fülle praktischer Beispiele machen wir dabei Mut, Unkonventionelles zu denken und durchzusetzen. Als Blogger, Buchautor und Lehrbeauftragter an zwei deutschen Hochschulen gehe zudem ständig auf die Suche nach den Bedingungen, unter denen Querdenken möglich wird und neue Ideen entstehen können. In meinen Vorträgen nehme ich scheinbar Vertrautes auseinander und setze es neu zusammen. In Märkten, die Initiative, Kreativität und Leidenschaft belohnen, kann das der entscheidende Perspektivenwechsel sein. Oder wie der amerikanische Kinderbuchautor Dr. Seuss in seinem Buch „Oh, the places you’ll go!“ geschrieben hat: „You have brains in your heads. You have feet in your shoes. You can steer yourself any direction you choose.“

Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Neues entsteht nicht aus Vorsicht. Deshalb faszinieren mich alle Best-Practice-Fälle, die aus Musterbrüchen entstanden sind. Ein findiger Unternehmer, dessen Geschäftsidee das Fernsehen endlich vom Diktat der Sender befreit (Netflix). Ein Fußballtrainer, der mit Mut und einer nie dagewesenen Bereitschaft zum Musterbruch Weltmeister wird (Jogi Löw). Ein Zirkusdirektor, der, um in der vierten Generation zu überleben mit seinem Traditionszirkus einfach sesshaft wird (Sarrasani). Ein Autovermieter, der seine Fahrzeugflotte erfolgreich rund um die Uhr minutenweise vermietet (Car2Go). Das größte Heavy-Metal-Festival der Welt, das wie ein Dorffest funktioniert (Wacken), zwei Eiscremeproduzenten, die soziale Verantwortung zu ihrem Unternehmensprinzip erhoben haben (Ben & Jerry’s), ein Triebwerkhersteller, der seine Turbinen nicht mehr verkauft, sondern nur noch verleiht (Rolls Royce), oder ein Weltkonzern, der ohne Chefs auskommt (Gore). Allesamt Geschäftsmodelle, die auf Mut und Musterbruch setzten und dafür belohnt wurden.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Die Atomisierung von Werbung und Meinungsbildung ist eine Entwicklung, die mich als Medienmanager schon vor einigen Jahren fasziniert und gleichzeitig auch ein wenig geängstigt hat. Auch wenn ich heute als Berater und Autor nicht mehr unmittelbar damit konfrontiert werde, ist es dennoch ein Thema, das wir in allen Branchen und auf allen Ebenen ernst nehmen und gestalten müssen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Ein und dieselbe Entwicklung hat mich zuerst als Geschäftsführer eines Zeitschriftenverlags sehr geärgert und im Anschluss als freiberuflicher Berater und Unternehmer sehr gefreut: Menschen und Organisation haben durch die Digitalisierung fortwährend ihren unmittelbaren Wirkungskreis erweitert. Die Liste der Möglichkeiten ist dabei mittlerweile so umfassend geworden wie das Leben: Einkaufen. Verkaufen. Verlieben. Spielen. Lernen. Betrügen. Beschweren. Loben. Stehlen. Spaß haben. … Aber dieser vergrößerte Wirkungskreis reduziert Distanz. Und das hat Folgen. Unternehmen werden so beispielsweise zu Medienbetrieben. Zeitgleich verlieren die Medienbetriebe zunehmend ihre Vermittlerrolle zum Konsumenten, denn wo Unternehmen aufgrund der reduzierten Distanz sich selber mit dem Endkunden in Verbindung setzen können, sind Vermittler fehl am Platze. Die individualisierbare Kommunikation über unternehmenseigene Kanäle wird zur entscheidenden Kompetenz von Unternehmen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

VOCER, weil mich der Themenkreis „Journalismus und Digitalisierung“ brennend interessiert und Krautreporter wegen der großartigen Reportagen.

  • einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Am 19. April erschien in der F.A.Z.-Sonntagszeitung ein beeindruckender Artikel von Inge Kloepfer: „Unter Erfolgsdruck – Was früher Leistung war, ist heute der Erfolg: das Ordnungsprinzip unserer Gesellschaft. Nichts bleibt davon unberührt.“ Einfach auf den Punkt! Bitte unbedingt lesen. Alle! Vielleicht wird dann alles ein kleinwenig einfacher.

  • ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„33 Erfolgsprinzipien der Innovation“ von Oliver Gassmann und Sascha Friesike. Das Buch inspiriert durch seine Vielfalt und ist als erster Schritt zur Innovation ein sehr hilfreicher Ratgeber. Ein Muss für alle Marketingverantwortlichen und Produktentwickler.

Und natürlich die Druckfahne meines eigenen Buches „I did it my way – Geschichten von mutigen Machern, Querdenkern und Revolutionären“, weil es eine unterhaltsame Absage an überholte Denkmuster, ausgelaufene Trampelpfade und unreflektierte tägliche Routinen ist und mit einer Fülle praktischer Beispiele und Geschichten dazu aufwarten kann.

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Leider keine in letzter Zeit

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

apple.com/de/mac/keynote/, billomat.com und car2go.com.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Von Sebastian Turner in den unterschiedlichen Rollen seiner bisherigen Karriere: Als kecker und kreativer Agenturgründer und Impulsgeber, als „kluger Kopf“ und hartnäckiger Sparringspartner, als provokanter und politisch agierender ADC-Präsident und zuletzt als versierter und strategisch denkender Herausgeber einer immer bedeutender werdenden Tageszeitung.

 

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