Interview mit Asta Baumöller –
MELT.MEDIA RECRUITMENT

Asta Baumöller MELT.MEDIA RECRUITMENT Wer ist Asta Baumöller? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin Personalberaterin für die Kreativwirtschaft – habe ursprünglich einmal Design/Visuelle Kommunikation studiert, dann aber in der Praxis nicht lang als Kreative sondern seit 1995 überwiegend im Management eines intl. Medienunternehmens gearbeitet und bin heute, seit 2007, Inhaberin meiner eigenen kleinen Firma
MELT.MEDIA RECRUITMENT in Berlin-Kreuzberg.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Besonders Kreative finden, ich hätte einen auffälligen Excel-Spleen. Vielleicht weil ich Listen liebe und dieses Programm tatsächlich öfter „artfremd“ verwende – sei es um Organigramme zu bauen oder um Grundrisse zu layouten.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir beraten strategisch und praktisch in HR-Themen mit nachweislicher Managementexpertise, Kreativkompetenz und gesundem Menschenverstand; besetzen darüber hinaus als Recruiter oder Headhunter Positionen bei Unternehmen und Agenturen. Unser Netzwerk umfasst viele tausend Kontakte – schwerpunktmäßig zu Kandidaten aus der Digital- & Medienszene, Entry-Level bis Top Management.

Dazu vielleicht noch ein wenig Erklärung im Detail:

Kreativ-Kompetenz

Da ich selber Kreative (u.a. Mitglied im ADC) bin, habe ich i.d.R. einen guten Zugang zu anderen Kreativen und möchte behaupten, dass ich Kreation besser als das Gros der deutschen Personalberater beurteilen kann.

Blickwinkel

Ich war nicht ausschließlich in der HR oder Personalberatung, sondern auch viele Jahre als Managerin, Geschäftsführerin und Verwaltungsrätin tätig. Das befähigt mich den Blickwinkel, wenn nötig, zu ändern. Ich weiß, wann ich die „Personalerbrille“ absetzen sollte.

Praxischeck

In meiner Arbeit interessiere ich mich immer auch für die tatsächliche fachliche Praxis eines Auftraggebers. Ich glaube daran, dass man besser beraten und besetzen kann je mehr Details man über das Tagesgeschäft und die genauen Arbeitsumstände weiß.

Kreativ-Digital Netzwerk

Ich habe MELT. 2007 gegründet – zu diesem Zeitpunkt begannen viele Unternehmen nach kreativ-digitalen Profilen zu suchen. Unser existentes Netzwerk ist noch heute stark dadurch geprägt.

Klein & Groß

Anders als bei den meisten Personalberatungen ist für uns nicht nur das gewinnbringende Executive-Segment relevant. Es geht uns um gute Profile – ob Einsteiger, Freelancer, Mid-Level oder Top Management ist dabei zweitrangig.

Leidenschaft

Wir sind klein – Masse können wir nicht liefern; aber Klasse. Wir haben ein Gespür für Menschen; sind aufmerksam, analytisch, gewissenhaft und lieben den Job den wir uns ausgesucht haben. Das merkt man uns auch an.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren? 

In der Regel kommen Auftraggeber auf uns zu wenn sie für die Besetzung einer Position sehr genaue Vorstellungen haben – den passenden Kandidaten selber aber nicht finden oder locken können. Das bedeutet für uns, dass wir uns bei unserer Suche üblicherweise in einem eng gesteckten Rahmen zu bewegen haben und dass der Auftraggeber zunächst strikt an seinem Briefing festhält; fast so als würde er ein Produkt maßanfertigen lassen wollen. Sehr viel seltener kommt es vor, dass ein Auftraggeber uns lange Leine lässt und uns bittet, den „passenden Menschen“ für eine Position zu finden. Das passiert nur dann, wenn schon eine sehr valide Vertrauensbasis zwischen dem Auftraggeber und uns vorhanden ist – vor allem dann, wenn der Auftraggeber seiner eigenen Einschätzung und seinem Bauchgefühl vertraut.

Vor einiger Zeit haben wir – anhand einer einzigen Kandidatenvorstellung – genau diese Vertrauensbasis bei einem Auftraggeber aufbauen können indem wir entgegen dem eng gesteckten Briefing einen Kandidaten vorgestellt haben, der auf den ersten Blick völlig falsch war (hätten wir uns nach der existenten Stellenbeschreibung gerichtet und nach der gewünschten Gehaltsrange).

Es handelte sich um eine Position, die seit über 6 Monaten vakant war. Viele hatten sich beworben; sie passten alle überhaupt nicht, aus Sicht des Auftraggebers. Wir haben daraufhin gemeinsam die Bewerbersituation analysiert und dann mit dem Auftraggeber die Stellenbeschreibung auf die 5 wichtigsten Punkte reduziert. Zudem wurden 5 Social Skills definiert, die für diese Position sehr relevant sind und wir haben ausnahmsweise tiefere Einblicke in das Tagesgeschäft (inkl. einiger Schwachstellen und Probleme) erhalten. Der Rest lag bei uns.

Im Resultat haben wir nur einen einzigen Kandidaten vorgestellt. Unser Kunde war offen genug, diesen Kandidaten zu treffen und kennen zu lernen obwohl er anscheinend wirklich nicht „der Bestellung entsprach“. Er wurde dennoch eingestellt. Unser Auftraggeber fordert uns seitdem öfter auf, Kandidaten initiativ vorzustellen, sollten wir den Eindruck haben, sie könnten zum Unternehmen passen. Und wir freuen uns darüber, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird – mehr noch: seit dieser Erfahrung arbeiten wir anders; wir verlassen uns weniger auf JobAds, fragen mehr und versuchen uns ein eigenes Bild zu machen, schlagen öfter „artfremd“ vor wenn es gute Gründe dafür gibt.

Der Erfolg war hier weniger die Besetzung der Position – vor allem konnten wir etwas Entscheidendes im Hinblick auf Blickwinkel, Urteilsvermögen und Kundenbindung lernen: wir sind mittelmäßige Laufburschen – aber sehr gute Mitstreiter.

Danach haben wir uns angewöhnt in jeder neuen Position zunächst nach der speziellen DNA zu suchen, wenige Key-Skills zu identifizieren und uns nicht mehr sklavisch an Listen oder JobAds entlang zu hangeln. Im digitalen Zeitalter wird dies meiner Meinung nach auch immer relevanter da fortlaufend neue Berufsbilder – für Positionen, deren Titel man vielleicht noch nie gehört hat – entstehen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

  • Herausforderung für die Gesellschaft:

Lebenslanges Lernen. Die Veränderung unserer Umgebung – sozialer, demografischer und technischer Wandel – passiert so schnell und übergreifend, dass geistige Aktivität bis ins Alter zur Herausforderung für uns alle wird.

  • Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Fachkräftemangel in der digitalen Welt. Und in dem Zusammenhang muss leider auch erwähnt werden: die mangelnde Befähigung des Staates und die geringe Bereitschaft der Wirtschaft in Deutschland konstruktiv an der Beseitigung dieses Missstandes mitzuarbeiten, wird uns wohl mittelfristig noch Einiges kosten.

  • Herausforderung für unseren Markt:

Mehr inhaltliche Weiterbildung – sich intensiver für fachliche (auch technische) Details interessieren. Besonders im Bezug auf Transformations-Situationen und digitale Anforderungen, neue Berufsfelder etc.. Das gilt für alle Personaler & Personalberater, sowohl intern als auch extern, und ist u.A. eine wichtige Herausforderung für meine eigene Company in den kommenden Jahren.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Eine sehr komplexe Frage…ich werde mich bei der Antwort mal auf mein Tagesgeschäft beschränken: mich freut, dass es heute so einfach ist über Plattformen und soziale Medien nach passenden Profilen zu suchen – Menschen auch direkt anzusprechen. Und wenn ich mich ärgere, dann geht es meistens um Dinge die mich bei einer gezielten Suche im Web aufhalten, behindern oder stören (Bannerwerbung, Pop-ups, komplizierte Funktionalitäten usw.).

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  • einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Es gibt keinen Blog, auch keine Newssite die ich treu und regelmäßig lese – ich gehöre zu den Menschen die viel zuhören, überall etwas aufschnappen und einzelne Themen dann zur Vertiefung im Web nacharbeiten, zB über: http://www.theguardian.com/, http://mashable.com/, https://netzpolitik.org/, http://www.horizont.net/, http://www.zeit.de/, http://www.spiegel.de/, http://99u.com/, http://techcrunch.com/, http://www.wuv.de/, http://www.handelsblatt.com/, https://hbr.org u.v.m.

  • einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Das war ein W&V Artikel: Benedikt Holtappels über das Diktat ewiger Jugend in den (Werbe-) Agenturen-http://www.wuv.de/agenturen/schluss_mit_dem_diktat_ewiger_jugend_in_den_agenturen – da wurde wirklich ein Nerv getroffen; heterogene Teams erzielen i.d.R. bessere Erfolge sofern die Zusammensetzung stimmt (ich möchte dem Artikel übrigens hinzufügen: mir kommt es bisweilen so vor als wenn die eine oder andere Agentur sich noch dazu dem Irrglauben hingibt, dass man sich – mit möglichst vielen jungen Mitarbeitern – einer günstigen Frischzellenkur unterziehen kann die jede unternehmensstrategische Schwäche auffängt und den Laden automatisch zukunftsfähig – digital- & trendaffin – macht).

  • ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Die Sache mit dem Ich: Reportagen (Marc Fischer)

  • eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

http://www.uxcampeurope.org/

  • das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

iPhone (und natürlich Excel)

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Patty McCord.

Ex Chief Of Talent bei Netflix, heute pattymccordconsulting.com – eine kluge Frau, mit Blick für das Wesentliche.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.