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Interview mit Oliver Klein – cherrypicker

Oliver Klein cherrypickerWer ist Oliver Klein? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin ein leidenschaftlicher Fan der Werbe- und Kommunikationsbranche, in der ich seit mehr als 20 Jahren unterwegs bin. Gestartet als Werbekaufmann habe ich in internationalen Agenturen wie McCann, Future Brand oder Grey spannende Unternehmen wie BAT, Nike, Porsche oder Unilever betreut. Und im Marketing z. B. bei edding oder Ricardo, einiger Startups und als CEO des ersten digitalen Geschenkservices habe ich festgestellt, wie wichtig und erfolgskritisch der richtige Umgang zwischen Kunden und Agenturen ist. Um dies zu verbessern habe ich vor über 14 Jahren
cherrypicker aufgebaut und freue mich jeden Tag darauf, dorthin zu gehen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ein Spleen ist wohl, dass ich die Dinge gern sofort selbst in die Hand nehme. Sei es die Glühlampe im Büro zu wechseln, Schreibtischstühle zu reparieren oder kurzerhand Türrahmen im Office neu einzufassen. Geht nicht, gibt’s nicht. Oder wie Hornbach werben würde: Ich mach’s einfach zu meinem Projekt. Auch wenn meine Frau sich wünschen würde, dass ich das auch öfter mal zuhause mache.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht Ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir haben die „Super-Agenturen-erfolgreicher-führen-Power“. Unsere Kunden, meist Marketingleiter und Pressesprecher, sind mit unserer Unterstützung einfach erfolgreicher. Warum? Weil sie ihre Agenturen besser einsetzen, was sich schließlich für sie auszahlt. – Für ihr Unternehmen, ihre Marke, ihre Karriere. Oder etwas nüchterner: cherrypicker ist die führende Beratung für Agenturmanagement und unterstützt als unabhängige Unternehmensberatung werbetreibende Unternehmen und Institutionen in allen Fragen der Agenturauswahl und des Agenturmanagements. Kurz gesagt, wir picken für Unternehmen die besten Agentur-Kirschen aus dem Markt, sorgen aber auch dafür, dass bestehende Agentur-Kunden-Beziehungen bestens fruchten und daraus ein größtmöglicher Kommunikationserfolg entsteht, weil die Ergebnisse den Zielgruppen schmecken.

Darüber hinaus haben wir das Glück, in der Welt zwischen Unternehmen und Agenturen unterwegs sein zu können und Insights von beiden Seiten zu gewinnen, die uns einen sehr breiten Überblick gewähren. So kommt es nicht selten vor, dass wir von vielen Dingen bereits wissen, lange bevor sie für andere sichtbar werden. Das ermöglicht uns auch, sehr nah an den Entwicklungen und Trends in Bezug auf die Zukunft der Kommunikation und des Marketings zu sein.“

Wie lebt Ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt Ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Natürlich suchen wir auch laufend die besten Digitalagenturen für unsere Kunden aus und sehen in zahlreichen Pitches eine Vielzahl von Kommunikationskonzepten in einer immer digitaler werdenden Welt. Aber auch wir als Unternehmen nutzen und leben die Digitalisierung. So haben wir vor ungefähr einem Jahr unser CRM vollständig erneuert und auf ein ERP- bzw. Unternehmensmanagementsystem umgestellt. Damit haben wir uns von allen Verwaltungstools à la Excel & Co. verabschiedet.

Bis vor kurzem hatten wir auch noch das weltweit größte Archiv von Agenturunterlagen, die wir für unsere Prozesse zur Agenturauswahl nutzen. Dieses haben wir ebenfalls radikal auf digital umgestellt. Heute haben wir weit über 20.000 Agenturbooklets, Credentials, Cases und Kalkulationen auf unserem Server und nichts mehr davon in Papierform vorliegen.

Und auch an unserem Internetauftritt hatte der Zahn der Zeit genagt. Deshalb haben wir unseren Außenauftritt in diesem Jahr vollständig überarbeitet und eine neue Plattform entwickelt, die es uns ermöglicht, spannende Geschichten rund um Agenturauswahl und Agenturmanagement zu erzählen und interessante Persönlichkeiten aus der Branche einzubinden.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Bei aller Liberalität sehe ich die Herausforderungen vor allem in der Balance zwischen der Freizügigkeit, Informationen und Daten auszutauschen und den daraus resultierenden Möglichkeiten des Missbrauchs von Unternehmen und Institutionen. Uns allen ist heute noch nicht ganz klar, ob und in wie weit wir bei der Vielzahl an Chancen, die sich uns bieten, auch Geister rufen, die wir nicht wieder loswerden. Als alter Dialogmarketing-Mann sehe ich viele Chancen für die Unternehmen, aber auch viele Gefahren für die Persönlichkeit und Intimsphäre jedes Einzelnen. Ich denke, dass wir in der Netzwirtschaft, ähnlich wie in der Medizintechnik, dringend moralische Grenzen und ethische Grundsätze brauchen, damit die Digitalisierung weiterhin mehr Segen als Fluch bringt. Die technisch mögliche, totale Überwachung wird sonst irgendwann mit dem Wunsch nach Individualität und Freiheit kollidieren.“

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

„Deutschland ist das Land der Erfinder, in dem in den letzten 100 Jahren viele große Errungenschaften erzielt worden sind. Wir können in Deutschland und auch in Europa großartige Dinge hervorbringen, müssen aber aufhören, sie von vornherein kaputtzureden. Aus meiner Sicht werden die größten Herausforderungen im europäischen Raum sein, im Bereich der Netzwirtschaft Optimismus zu schaffen, sich auf seine Stärken zu besinnen und den Erfindergeist sowie das Unternehmertum wieder massiv zu fördern. Dabei gilt es, als ein Europa zu handeln und die besten Talente länderübergreifend zusammenzubringen. Dies wird nicht nur bei heute schon ausgebildeten Menschen wichtig sein, sondern muss bereits viel früher an Schulen und damit bei den Erfindern von morgen stattfinden.“

Herausforderung für unseren Markt:

„Die Kreativwirtschaft ist der Markt, in dem sich cherrypicker täglich bewegt. Er gehört zu den spannendsten Märkten, die man sich vorstellen kann, denn in keinem anderen Feld gibt es so viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und so viele Chancen, große Dinge zu vollbringen. Die Herausforderung dabei ist, dass wir aufhören müssen, uns gegenseitig schlecht zu machen. Vielmehr sollten wir stolz darauf sein, was wir schaffen können. Wir sollten dies öfter zeigen und noch viel mehr feiern.“

Herausforderung für unsere Firma:

„Für cherrypicker als Experte für Agenturauswahl und -management sehe ich die größten Herausforderungen darin, Unternehmen und Institutionen zu vermitteln, dass es nicht egal ist, welche Kreativen und Talente sie beauftragen und dass nicht der günstigste Preis auch die beste Qualität garantiert. Richtig gute Ideen sind kostbar und müssen einen angemessenen Preis haben. Deshalb helfen wir Unternehmen und Institutionen, dafür die passenden Partner zu finden und Rahmenbedingungen zu schaffen, mit diesen Partnern gemeinsam tolle und erfolgreiche Dinge zu entwickeln. Aber es ist für viele Unternehmen und Manager noch ein weiter Weg bis sie verstehen, dass Ideen und Kommunikation einer, wenn nicht gar der Haupterfolgsfaktor der Zukunft sein wird, der auch Investitionen verlangt.“

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

„Am Internet am meisten geärgert hat mich früher das „ping, ping, ping“ meines 54K Modems und der Ladebalken, der Minuten brauchte, bis eine Website sichtbar wurde. Heute freue ich mich am meisten, dass das der Vergangenheit angehört und ich problemlos mit meinem iPad überall Filme anschauen kann.“

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gern informierst

www.wuv.de) ist ganz gut und für mich auch wichtig, aber vieles darin gefällt mir noch nicht und muss sich noch weiterentwickeln.“

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/fluechtlinge-das-grundgesetz-steht-ueber-der-bibel-und-dem-koran-13800012.html

In diesem Artikel wird der Vorschlag gemacht, jeder Flüchtling sollte auf dem Kopfkissen im Notaufnahmelager einen Willkommensbrief in seiner Sprache vorfinden und es wird ein Formulierungsvorschlag angeboten. Warum mich dieser Artikel begeistert hat? Weil er sehr gut die Themen Verantwortung, Werte, Ethik, Anpassung und Respekt für alle Beteiligten behandelt. Das alles betrifft aus meiner Sicht die aktuelle Flüchtlingsdiskussion genauso stark wie die Rolle der Kommunikation im Netz.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich bin kürzlich auf das Buch von Kai Anderson und Jane Uhlig „Das agile Unternehmen“ gestoßen. Auch wir stellen immer öfter fest, dass einige Unternehmen recht statisch sind und sehr häufig noch in Silos denken. In Zukunft werden vor allem die Marketingabteilungen auf das sehr dynamische Markt- und Kommunikationsumfeld schneller reagieren müssen. Agiles Projektmanagement ist derzeit in aller Munde. Daher beobachte ich die Entwicklungen im Markt mit großem Interesse.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Begeistert hat mich erst vor kurzem Frederic Bonn, Chief Creative Officer North America bei Mirum (JWT), der bei der Creative Conference der Epica Awards 2015 einen sehr spannenden Vortrag zum Thema „building a global connected agency“ gehalten hat. Dabei habe ich viele Eindrücke und Inspirationen bekommen, wie Technologie in Zukunft Prozesse und Kollaborationen unterstützen kann – und das auch auf internationaler Ebene.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Die ziemlich simple App FlightTrack ist für mich das Tool, das mich als ständig Reisender überall begleitet und es mir ermöglicht, in Sekundenschnelle zu sehen, wann welcher Flieger geht und ob er pünktlich startet.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Sehr gern würde ich einen Tag mit Dr. Jesko Perrey (Global Knowledge Leader Marketing & Sales, Senior Partner at McKinsey & Company) verbringen, da er ein positiv-kritischer Vordenker und extrem schlauer Kopf unter anderem in Bezug auf das Marketing der Zukunft ist.